Band 
Dritter und letzter Theil.
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504 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.

dasselbe init niehreren der wichtigsten Gliedern der Kette chemischer Industriezweigesteht, wird nur selten im volle» Maße gewürdigt. ES sei »nS gestattet, der Wortez» gedenken, welche ei» berühmter Chemiker') der Gegenwart i» dieser Beziehungausgesprochen hat. „Die Seist ist ein Maßstab für den Wohlstand und dir Knltnrder Staate». Diesen Rang werden ihr freilich die Nationalökonomen nicht zuerken-nen wolle», allein nehme man es im Scherz oder Ernst, so viel ist gewiß, man kannbei Vergleichung zweier Staaten von gleicher Einwohnerzahl mit positiver Gewißheit denjenigen für den reicheren, wohlhabenderen und knltivirteren erklären, welcherdie meiste Seife verbraucht. Denn der Verkauf und der Verbrauch derselbe» hängtnicht von der Mode, nicht von dem Kitzel des Gaumens ab, sondern von den, Ge-fühl des Schönen, des Wohlseins, der Behaglichkeit, welches aus der Reinlichkeitentspringt. Wo dieser Sinn neben den Anforderungen anderer Sinne berücksichtigtund genährt wird, da ist Wohlstand und Kultur zugleich. Die Reichen des Mittel-alters, welche mit wohlriechenden kostbaren Spezercien die üblen Ausdünstungenihrer Haut und Kleider, die niemals mit Seife in Berührung kamen, zu erstickenwußten, triebe» im Essen und Trinken, in Kleidern und Pferden größeren Lurus alswir; aber welche Kluft bis zu uns, wo Schmutz und Uureiulichkeit gleichbedeutendsind mit Elend und dem unerträglichsten Mißgeschick."

Es lohnt sich schon der Mühe, einen Blick auf die Vergangenheit dieser merkwürdige» Industrie zu werfen. Wir finden keine bestimmte Erwähnung der Seife beiden vorchristlichen Schriftstellern. Zwar kommt in der Deutschen Uebcrsetzuug desAlten Testaments der Ausdruck Seife-) mehrmals vor, allein schon der gelehrteBcckmann hat i» seiner trefflichen Abhandlung über die Seife") nachgewiesen, daßdas hebräische Wort Borith, welches Luther mit Seife übersetzt, vielmehr Laugensalz bedeutet. Eine der ältesten Wasch- und Badesccneu, über welche wir Mitthei-lung besitzen, ist die, welche Homer'') aus dem Lande der Phäake» meldet. DieArt und Weis«, wie die liebliche Naufikaa von rhrer Mutter ausgerüstet wurde, alssie zum Wasche» am Flusse auszog, ist uns auf das Treucste überliefert. Sie er-hielt der stärkenden Speise und des labende» Weines, auch geschmeidiges Ocl ingoldener Flasche, sich damit zu salben, allein Seife erhielt sie nicht. Die homcrischeu Jungfrauen kannten also diesen wichtigen Artikel noch nicht.

Die erste bestimmte Nachricht über Seife stndcn wir bei Plinius . Derselbegiebt an, daß sie aus Talg und Asche gen,acht werde, und zwar am besten aus Bock-talg und Bnchcnasche. Ihm war bereits die harte und weiche Seife bekannt. NachPlinius ist die Seife eine gallische Erfindung, wurde indessen auch besonders gutin Deutschland bereitet, und war daselbst mehr bei Männern als bei Frauen inGebrauch. Sie diente zum Gelbfärbcu der Haare. Aus der Beschreibung des Pli-nius geht klar und deutlich hervor, daß er nichts andres als Seife gemeint habenkann, obgleich die Angabe des Zweckes, zu welchem sie verwendet wurde, nus eini-germaßen in Verwirrung setzt. Die Seife, natürlich mit geeignetem Farbstoffe ge-mischt, hätte hiernach im Alterthume mehr als eine Art Färbepomade gedient. Zuden, Zwecke, für welchen sie jetzt fast ausschließlich bestimmt ist, scheint sie von denAlten kanni gebraucht worden zu sein. Nächst Walkcrerdc und Pflanzen mit scifen-artigen Säften (strutliinm), dienten ihnen die Pottasche und Soda, die auch heutenoch zum Waschen gebraucht werven. Es wird ausdrücklich angegeben, daß erstere— oder zum wenigsten Pflauzrnascheulauge — zum Reinigen der Weinfässer »ndzum Waschen der Götter in den Tempeln verwendet werde. Auch wußte» die Altenschon, daß das Laugcusalz (Pottasche und Soda) durch Kalk stärker gemacht werde»kann; wir finden diese Methode bereits von Paulus Acgiueta erwähnt. Dasgewöhnlichste Mittel aber, welches im Alterthume zum Waschen der Kleider gebrauchtwurde, war der gcfaulte Urin. Die Fulloncn des Alterthums, welche die Gewerbevon Walkern und Wäscher» gleichzeitig verrichteten, standen deshalb ganz eigentlich