5Zg XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate »»d kurze Waare».
Schmerzen und Geschwülsten in der Kinnlade bei den Arbeitern in Zündholzsabrikenhingelenkt, welche häufig zu Erfoliation und endlicher Ausstoßung des Knochensführten. Diese Beobachtung wurde später niehrfach bestätigt, u»d gab verschiedenenRegierungen Veranlassung, besondere Untersuchungen über diese» Gegenstand anstellenzu lassen. Die Resultate sämintlicher Erfahrungen find in einer Schrift °) vonvon Bibra und Geist niedergelegt. Die Krankheit, obwohl vorzugsweise inDeutschland beobachtet, findet sich anch in anderen Ländern, und kommt namentlichauch in England häufig vor. Der Berichterstatter hatte Gelegenheit, Erkundigungenvon Dr. E. Sievcking einzuziehen, der diesen Gegenstand in den Londoner Fabrikenmit vieler Aufmerksamkeit verfolgt hat. Nach der Mittheilung dieses Beobachterstritt die Krankheit hier ziemlich in derselben Form auf, wie in Deutschland . Siebefällt nur diejenigen, welche mit dem Eintauchen der Hölzer in die Zündmaffcbeschäftigt, die also der unmittelbare» Einwirkung der Phosphordämpfe ausgesetztfind. k>r. Sievcking sah mehrere Arbeiter der Art (stippors), denen die untereKinnlade beinahe vollständig fehlte. Eine beinerkcuswerthe und tröstliche Beobach-tung desselben Arztes ist indessen diese, daß die Krankheit in den verschiedenen Fa-briken keineswegs gleich allgemein ist, uuv daß die Arbeiter, wenn sie anders mitStrenge zur Reinlichkeit angehalten und mit guter Nahrung versehen werde», nament-lich aber, wenn für eine kontinnirliche und vollständige Ventilation der Arbeitöränmegesorgt wird, gänzlich verschont bleiben. In mehreren Anstalten fand Dr. Sieve-king Arbeiter, welche seit länger als 20 Jahren mit dem Eintauchen der Zünd-hölzchen beschäftigt sind, und nie anch nur die geringste Anlage zu dieser Krank-heit zeigten.
Die Beobachtung der Vorsichtsmaßregeln, welche sich aus dieser Untersuchungergehen, kann den Besitzern von Zündholzsabriken nicht genug aus Herz gelegt wer-den. Bereits ist, namentlich was die Ventilation anbetrifft, von verschiedenen Fa-briken Londons Anerkennenswertstes geschehen, allein es bleibt immerhin noch Vieleszu thun übrig, um die Arbeiter vollständig gegen dieses grauenhafte Uebel zn sicher».Aus diesem Grunde sollten die Fabrikanten ihre volle Beachtung einer neuen Ab-hülfe nicht versagen, welche ihnen der Fortschritt der Wissenschaft in der Entdeckungdes sogenannten rothen oder amorphen Phosphors an die Hand zn geben scheint.Vor einigen Jahren machte Professor Schrötter in Wien die merkwürdigeBeobachtung, daß sich der gewöhnliche Phosphor, einige Zeit lang einer Temperaturvon 250 — 260" auSgcsetzl, ohne etwas aufzunehmen oder abzugeben, in eine rotheModifikation verwandelt, welche die Hanpteigenschaften des gewöhnlichen Phosphors,Flüchtigkeit, Schmelzbarkeil und Entznndlichkeit bei niederer Temperatur nicht mehrbesitzt; auch die giftigen Eigenschaften sind in diesem veränderten Phosphor völligverschwunden. Diese Substanz, in der ersten Zeit eine Kuriosität der chemischenLaboratorien, kann gegenwärtig, nach einem von Schrötter gegebenen Verfahren,in großer Menge bereitet werden, und ist in der Thal bereits Gegenstand der Fabri-kation geworden. Die chemische Abtheilung der Ausstellung enthielt eine sehr schöneProbe dieses merkwürdigen Körpers, welche von I. E Sturze in Birmingham eingesendet worden war. Da der rothe Phosphor, wie bereits bemerkt, gänzlichungiftig ist, und überdies an der Luft durchaus keine Dämpfe ausstößt, während erauf der andern Seite sich zur Fabrikation von Streichfeuerzeugen eben so gut eignet,als der gewöhnliche, — neben der von Sturze eingesendeten Probe amorphen Phos-phors lagen Feuerzeuge mit amorphem Phosphor bereitet, von Diron und Söhnein Manchester vor, — so läßt sich denken, daß die Einführung dieses Körpers stattdes gewöhnlichen Phosphors in der Zündhvlzsabrikation, wenn sie anders die Probeder Erfahrung besteht, eine neue Garantie gegen die Knochenkrankheit der Arbeiterin diesen Anstalten leisten wird.