535
§. 137. Zündpräparatc.
Auch über die Zahl uud Ausdehnung der Zündholzfabriken in England (welchesdurch vier Aussteller vertreten war) konnte trotz vielfacher Nachfragen nichts Sicheresermittelt werden. Die Masse der produzirten Zündhölzchen ist jedenfalls sehr groß.
Der in der Zündholzfabrikation in England verwendete Phospbor wurde früherbeinahe vollständig aus dem Auslande bezogen. Gegenwärtig wird sämmtlicherPhosphor in England produzirt. Die allmälige Abnahme der Einfuhr erhellt ausfolgender Uebersicht^) des Werthes der Phosphorimportaticn in verschiedenen Jahren.
Was Frankreich anlangt, so waren von dort keine Zündhölzchen eingesendetworden. Der einzige Französische Aussteller in diesem Felde hatte Kistchen für Zünd-hölzchen geliefert. Nichts dcstoweniger ist die Produktion in Frankreich höchst bedeu-tend. Nach einer Angabe Payen'S beträgt die jährlich in Frankreich zur Fabri-kation chemischer Zündhölzer verbrauchte Quantitat Phosphor 30,000 Kilogramme,während 100 Kilogramme für alle übrigen Zwecke, zn denen Phosphor verwendetwird, genügen. Berechnet man hiernach die Größe der Zündholzfabrikation in Frank-reich, so ergiebt sich, daß sie zu der Fabrikation in Oesterreich im Verhältniß von590 zu 325 oder von l8 zn lO steht. Sie beträgt also beinahe das Doppelte derOesterrcichische» Produktion (?).
Die Vereinigten Staaten Nordamerika'S , wo ebenfalls ansehnliche Mengen vonSchwefelhölzern fabrizirt werden, hatten sich an der Ausstellung nicht betheiligt.
Mit der größeren Ausbreitung der Zündholz-Industrie mußte natürlich die Ver-vollkommnung der Waare und die Vereinfachung der Fabrikationsweisen, und inFolge dessen die Verringerung des Preises, gleichen Schritt halten. Eine ganzeReihe verschiedener Zündmassen wurde nach und nach in Anwendung gebracht; indemman das chlorsaure Kali entweder ganz oder theilweise durch Salpeter ersetzte,gelangte man dahin, daß sich die Hölzchen ohne die kleine Detonation entzündeten,welche bei den früheren Präparaten stets eintrat, man erhielt geräuschlose Zünd-hölzchen, und indem man den Schwefel verminderte oder ganz wegließ, wurde derwiderliche Geruch, der die Entzündung begleitete, mehr oder weniger vermieden.')Durch geeignete Zusätze endlich wurde der Anziehung von Feuchtigkeit vorgebeugt,durch welche früher ganze Ladungen unbrauchbar geworden waren. Neben deneigentlichen Reibhölzern traten eine Menge anderer vorher nicht gekannter Zünd-artikel auf: Wachszündkerzchcn, Cigarrenzünder von Holz znm Einstecken in die Ci-garre, birnförmige Cigarrenzünder (vosnvians), nagelförmige Tabackzünder, Glimm-hölzer, Glimmfidibus, Papierzünder (Oise -es) u. s. w. Die unregelmäßig geformtenHölzchen, die anfangs mit dem Handhobel geschnitzt wurden, verschwanden allmäligund machten den fein abgerundeten mit Maschinen angefertigten Platz. Auch dieäußere Ausstattung und die Verpackung derselben blieb nicht zurück, die verschiedenenFabrikanten suchten sich in der Erfindung geschmackvoller und sicherer Büchse» zuüberbieten, und die verschiedensten Materialien wurden hierzu in Anspruch genommen.An die Stelle der häßlichen und gefährlichen Papieretuis sind nette Holzbüchschcnund Kistchen, oder elegant gedruckte und lackirte Holzcylinder getreten, der großenMannigfaltigkeit von Metalletuis nicht zu gedenken.
. Auch die Methode der Fabrikation ist wesentlich vervollkommnet worden. Abge-sehen von den Verbesserungen in der chemischen Mischung der Zündmaffe sind eSvorzugsweise die Maschinen znm Schneiden der Hölzchen ') , sowie die Einrichtungenfür das Eintauchen gewesen, welche die Aufmerksamkeit der Fabrikanten auf sichgezogen haben. Beide sind wesentlich vereinfacht worden.
Der Berichterstatter kann diese kurze Skizze der Entwickelung der Zündhölzchen-fabrikation nicht schließen, ohne der furchtbaren Krankheit zu gedenken, welche sichim Gefolge derselben eingestellt hat. Im Jahre 1845 wurde die Aufmerksamkeit derAcrzie zuerst von I>r. Lvrinscr in Wien auf das häufige Vorkommen von