Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
554
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554 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.

Zollverein.

Die Einsendungen des Zollvereins bestehen nur aus 5 Nummern. Ein Aus-steller ist aus Preußen; er hat nur Sonnen- und Regenschirmgriffe eingesendet, undebenso kamen aus Württemberg (4 Aussteller) nur Regenschirmgriffc. Letztere warengut geschnitzt und die einzelnen Darstellungen verriethen frischen Humor. Die wich-tigste Sammlung der Wiirttembcrgischcn Ausstellung i» diesem Bereiche hat fürSchirmgriffc, sowie andere zugleich ausgestellte Elfenbcinschnitzarbeiten einen Preisdavon getragen und soll in einer andern Abtheilung dieses Berichts (Spielwaaren§. 147) erwähnt werden.

M. Wigdor, Berlin , wurde ehrenvoll erwähnt für gute Elfenbein-, Bein- undHorngriffe, die nebenbei den Borzug der Wohlfcilheit hatten.

Oesterreich.

Die Äonucn- und Regenschirme, welche von zwei Oestcrreichischcn Ausstellerneingesendet worden waren, send sowohl, was den Geschmack, als auch die Dauerhaf-tigkeit der Arbeit anlangt, nicht sehr hervorzuheben. Dennoch finden fie, wir manhört, keinen unbedeutenden Absatz auf vielen ausländischen Märkten, namentlich denendes Mittelländischen Meeres, und müsse» daher den dortigen Verhältnissen entspreche».Die Preise dieser Artikel, welche in der Regel sehr bunte lleberzüge hatten, standenmit der Mittelmäßigkeit der Arbeit in keinem Verhältniß, wie folgende Betrachtungcrgiebt. Die billigsten Sonnenschirme für Kinder waren zum e,i gros-Preise von 1 Sch.l Pee. und 2 Sch. ansgcboten, seidue Frauen-Sonuenschirme von erdinairrr Fabrikationzu 7 und 9 Sch. Die Englischen Fabrikanten vermögen zu geringeren Preisen bes-sere Artikel zu liefern. — Die übrige» drei Fabrikanten hatten nur Regen- undSounenschirmgriffe und Stöcke ausgestellt, die belüg im Preise und von guter Arbeitwaren. Die billigsten Artikel waren Sonnenschirmstöcke von weißem Holze mit lan-ge» Griffen von Bein, zu 30 und 36 Kreuz. K.-M. und die theuersten dergleichenzu l Fl. 12 Kr. bis l Fl. 42 Kr. K.-M., sowie hübsch geschnitzte Elfenbeingriffe zu5 Fl. 12 Kr. K.-M. Die Elfenbeinschnitzerei konnte sich jxdoch im Allgemeinen,was Zeichnung und Ausführung anlangt, bei weitem nicht mit der in der Ocster-reichischcn Meerschaumschnitzerei erreichten Vollendung messen, über welche wir ineiner andern Abtheilung berichtet haben.

Frankreich .

Was die besseren Sorten Sonnen- und Regenschirme anlangt, so steht hierFrankreich oben an. Guter Geschmack in der Zeichnung und vollendete Schärfe undPräzision in der Ausführung der Elfenbeinschnitzereien an den Griffen, richtige Aus-wahl der zu einander paffenden Farben, sowie schöne Appretur der zu Regen- und Son-nenschirmüberzügcn verwendeten Seidenstoffe giebt den Französischen Fabrikaten einentsebiedenes llebergewicht über alle andern MitauSsteller. Dazu kommt noch, daßauch die Gestelle viel netter und leichter sind, als die noch bis vor ganz Kurzem inEngland fabrizirten. Dies find offenbar die Gründe, weshalb Frankreich auf denauswärtigen Märkten^), namentlich in Amerika, Italien und den Französischen Ko-lonien in diesem Artikel einen so bedeutenden Vorsprung gewonnen hat.

In früheren Zeiten wurden in Frankreich die Sonnen- und Regenschirme vonden Beutlern (Loursiers) verfertigt, eine Zunft, die nebenbei auch Lederhose»,Mützen, Reise- und Jagdtaschen und Reisekoffer fabrizirte. Im Jahre 1754, sagtRondot, war die Anzahl der Beutlermeister in Paris 250, und nach dem zu dieserPeriode erscheinenden .kcmrnal cku Litv^en beließen sich die damaligen Preise für einenzusammenfaltbaren Sonnenschirm zwischen 15 und 2l Frc. 75 Cent., und für dasordinaire Parasol 9 bis 14 Frc. 50 Cent. Die bekannten Französischen Encyclopä-dien^) haben uns eine genaue Beschreibung der damaligen Regen- und Sonnen-