Band 
Dritter und letzter Theil.
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8- 141. Sonnen- und Regenschirme.

schirme und der dazu verwendeten Werkzeuge nebst Abbildungen davon, gegeben. DieRegenschirme gleichen ziemlich den noch jetzt unter den Landbewohnern Frankreichs gebräuchlichen, die Soiiiieiischirme aber hatte» eine verschiedene Konstruktion. DerStiel derselben war hohl und enthielt eine Spiralfeder, auf welcher ein in derRöhre auf- und nicdergleitcnder Stab ruhte. Das obere Ende dieses Stabes standmit den Spannern in Verbindung, die bei dieser Konstruktion über den Rippen an-gebracht und außerdem viel kürzer waren, so daß sie von dem Neberzuge verdecktwurden. So lange die Federkraft der Spirale den Stab cmporhielt, wurden auchdie Spanner und mit ihnen die Rippen gehoben und der Schirm offen erhalten.Um den Schirm zu schließen, mußte die Feder zusammengedrückt und durch einenSchluß in diesem Zustande erhalten werden. Nahm man den Schluß ab, so sprangder Schirm von selbst wieder auf. Um das Zusammenfalten zu erleichtern, warendaher an vier Rippen Schnüre befestigt, die am Stiele zusammenliefen, und dieman anziehen mußte, um den Schirm zu schließen. Das Material der Rippen,deren Zahl mit der Länge wechselte, war Fischbein und der Ueberzug Kattun fürRegen- und Seide für Sonnenschirme. Um jene Zeit (1786) war c« in Lyon all-gemein üblich, für Männer sowohl als Frauen, Svunciischirme zu tragen. „Siewaren rosenroth, weiß oder von anderer Farbe und so leicht, daß man sie ohne Be-schwerde tragen konnte."

Wie sehr sich die Regenschirmfabrikation in Frankreich vervollkommnet, ergiebtsich recht deutlich aus der folgenden Zusammenstellung des Gewichtes der Regen-schirme in verschiedenen Perioden, während der Zeit von 1645 bis 1849, welche vonM. Zarge herrührt, der sie bei Gelegenheit der letzten Französischen Industrie-Aus-stellung gegeben hat'

1645 . . .

Unze.

1740 . . .

. . . l „13

„

1780 . . .

. . . I .. 8^

„

1840 . . .

.. - -

„

1849 . . .

„

Man ersieht hieraus, daß der Regenschirm gegenwärtig siebenmal leichter ist,als vor 200 Jahren.

Anch die Zahl der in Frankreich genommenen Patente zeigt nicht minder, welcheAufmerksamkeit man diesem Industriezweige geschenkt hat. In dem Zeitraume von1808 bis 1848 wurden in Frankreich 80 Patente für neue Erfindungen und 4l fürVerbesserungen in der Schirmfabrikation ertheilt. Einige davon beziehen sich aufmechanische Vorrichtungen von ähnlicher Art, wie die oben gelegentlich der Eng-lischen Schirme erwähnten, andere auf die Vervollkommnung des gewöhnliche» Ge-stells und noch andere auf die Verbesserung der in diesem GewcrbSzweige angewen-deten Maschinerien zur Ersetzung der Handarbeit.

Bei alledem sind die Französischen Erzeugnisse noch immer ziemlich theuer,indem der gewöhnliche eu gras-Preis für einen guten seidnen Regenschirm, der sichvon selbst öffnet, 25 bis 50 FrcS., und für ein Parasol 16 FrcS. 25 Cent. bis100 FrcS. beträgt, aber sie sind dann auch in jeder Beziehung ausgezeichnet gutgearbeitet.

Schließlich erwähnen wir noch, daß sich in der Französischen Ausstellung einigerecht zweckmäßige Reiseregenschirme vorfanden, die man von dem Stocke abnehmenund in den Koffer packen oder auch in die Tasche stecken kann.

Von den Französischen Ausstellern erhielten zwei die PreiSmedaille, nämlich:

Cazal für elegante gut gearbeitete Sonnen- und Regenschirme. Die in Elfen-bein geschnitzten Griffe verriethen viel Geschmack und Kunstfertigkeit. Die Gestelle,ausgezeichnet durch ihre Leichtigkeit, waren zum Theil von neuer verbesserter Kon-