Band 
Dritter und letzter Theil.
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§.142. Stöcke.

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desselben so alt ist, wie das Menschengeschlecht selbst. Wir könnte», altherkömmlicherSitte folgend, unsere Behauptung mit einer Menge von Stellen aus den Schriftender Alten belegen, allein wir begnügen uns, die Leser an das schöne Räthsel zuerinnern, welches die Sphynr dem OedipoS aufgab: welches Thier geht am Morgenauf vier. am Mittag auf zwei und am Abend auf drei Beinen?

Die Form des Stockes, wenn er als Stütze dienen soll, erlaubt im Ganzennur wenige Mannigfaltigkeit. Seine Länge steht natürlich zu der Größe des Trägersim Verhältniß, und hängt überdies von der Art und Weise ab, wie er gehandhabtwerden soll, ob er nämlich dazu bestimmt ist, als Stütze zu dienen, auf die sich einTheil des Körpergewichts direkt auflehnen kann, oder ob er dem Körper mehr eineArt Anhängepunkt sein soll. Bon der ersteren Gattung ist der gewöhnliche Rcisestockund der Stab, an welchem Krankheit und Alter umherschleicht, zur zweiten gehörtder Pilgerstab und der Alpenstock, welche beide eine gewisse Celebrität erlangt haben.Beide Arten unterscheiden sich nur durch die Verschiedenheit der Länge. Schon früheaber suchte man mit der ursprüngliche» Bestimmung des Stabes noch andere Neben-zwecke zu verbinden; bald sollte er sich zum Zeichen von Rang und Würde odereines gewissen Standes gestalte», bald wollte man seine Dienste als Waffe zum Angriff oder zur Abwehr in Anspruch nehmen. Eine solche Doppelbestimmnng mußtenatürlich auf die Form des Stabes wesentlichen Einfluß gewinnen, der sich nunmehr,je nach Zweck und Bedürfniß, anfs Mannigfaltigste gestaltete. Ein auffallendes Bei-spiel dieser Umänderungen bietet der Pilgerstab. In seiner ursprünglichen Form mitdem gewöhnliche» Alpcnstockc übereinstimmend, sehen wir ihn »ach und nach mit denverschiedensten Zuthaten ausgestattet. Bald endete der Stab in einer Krücke, anwelcher die wohlbekannte Kürbisflasche hing, oder er erweiterte sich kelchartig, nmden Palmzweig des zurückkehrenden Pilgers aufzunehmen, bald enthielt der obereTheil eine Flöte oder ein ähnliches musikalisches Instrument, oder er war zu einerBüchse ausgehöhlt, in welcher der Pilger seine Kostbarkeiten verbergen konnte. Diesemögen denn ursprünglich aus Reliquien bestanden haben, die auf diese Weise imStäbe vor profanem Auge gesichert waren, allein nicht selten wurden auch weltlicheGegenstände in diesem geheimen Verschlüsse aufbewahrt. Schon Cervantes erzähltuns von Spanische» Pilgern > welche mehr als lOO Kronen zusammengebettelt undin Gold umgewechselt in ihren Stäben trugen, und es ist bekannt, daß die Sciden-raupeneier und die Saffranpflanze in PilgerstLben zu einer Zeit ihren Weg insAbendland fanden, wo die Ausfuhr dieser Dinge mit den härteste» Strafen, ja mitdem Tode bedroht war.

Auch der gewöhnliche Reisestock muß häufig, wie der Pilgerstab, noch allerleiNebenzwecken dienen; indessen sind es vorzugsweise Waffe», Degen, Dolche u. s. w.,welche man in demselben zu verbergen pflegt. Die Ausstellung vereinigte eine ziem-liche Anzahl solcher Waffenstöcke, allein sie bot keineswegs eine so große Mannigfal-tigkeit, wie wir sie nicht selten in Waffcnsammlnngen treffen, die uns nicht nurStich- und Stoßwaffen aller Art, sondern sogar auch Feuergewehre in Stöcke ein-geschlossen zeigen.

Außer Waffen hat der Reiscstock sich bequemen müssen, Perspektive, Fischerrnthen,Feuerzeuge und dergl. aufzunehmen. Die Ausstellung brachte unter anderem einenStock, von Dr. Gray in Perth eingesendet, welcher eine ganze Apotheke nebst chirur-gischer Jnstrumentensammlung enthielt. Außerdem fehlte es nicht an solchen, inwelchen Weinkeller und Speisekammern angebracht waren, oder welche Landkarte»aufnehmen konnten, oder endlich sich in Stühle oder sonstige Artikel verwandelnließen. Wir fanden sogar einen Stock, welcher eine ganze galvanische Batterie ent-hielt, die dem Träger desselben bei jedem Schritte einen leichten elektrischen Schlagversetzte.

Der Uebergang des Stabes, der als Stütze diente, zu dem LurnSstocke ist ein