Band 
Dritter und letzter Theil.
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560 XXIX. Klasse. Verschiedene Fabrikate und kurze Waaren.

ganz natürlicher. In dem Maaße, als sich die Sitten verfemten und als der Sinnfürs Schöne bei dem Menschen mehr und mehr erwachte, und seine Anforderungenauf seine ganze Umgebung geltend machte, vermochte die ursprüngliche Form desStabes in ihrer primitiven Einfachheit nicht lange zu befriedigen. Er wurde baldzum Gegenstände künstlerischer Verzierung. Schon auf den Wandgemälden des altenAegyptens tragen die Stäbe der im Gefolge des Königs Einherschreitenden Lotos-blumen. und obwohl diese Stäbe offenbar als Jnsignien von Rang und Würde be-trachtet werden müssen, so läßt sich doch das Bedürfniß nach Schmuck selbst in dieserweit entfernten Periode nicht verkennen. Ueber die Form und die Verzierungen desgewöhnlichen Stockes bei den Griechen und Römern ist nur geringe Kunde auf unsgekommen; wenigstens ist dem Verfasser dieser Bemerkungen aus seinen klassischenStudienjahre» nichts MittheilenSwerthes im Gedächtniß geblieben, obwohl jene Zeitnicht verfehlt hat, anderweitige bittersüße Erinnerungen an diesen Artikel bei ihn,zurück zu lasse». Wenn die alte» Schriftsteller von Stäben sprechen, so sind in derRegel solche gemeint, die als Attribute eines gewissen Ranges getragen wurden.

Desto häufiger finden wir die reichverzierten Stöcke im Mittelalter und dendarauf folgenden Jahrhunderten. Sie sind nicht nur in Utkunlcn vielfach erwähnt,sonder» auch auf den Bildnissen anS jener Zeit, z. B. auf vielen Portraits der Eng-lischen Aristokratie aus dem 16. Jahrhunderte, in ihrer ganzen Herrlichkeit abkon-terfeit. Welche» Lnrus diese Zeit in Stöcken trieb, ergicbt sich unter ander», auseinen, Inventarium über das Mobiliar des Königlichen Palastes in Greenwich ,wo unter anderen Dingen auch mit Gold und Silber verzierte Stöcke verzeichnetsind, die überdies mit Uhren, Riechfläschchen, Zirkel», Maaßen, Messern, Feilen undWetzsteinen versehen waren. ')

Trotz dieser ornamentalen Ucberladung hatte der Stock der damaligen Periodeseine ursprüngliche Bestimmung als Stütze »och nicht eingebüßt. Erst später undnamentlich im I7te„ Jahrhunderte verschwindet jede Erinnerung an den eigentlichenZweck, und der Stock wird reiner Lurusartikel. An die Stelle des soliden tragsähi-gen Stabes tritt eine dünne, schwanke Ruthe, statt des festen Holzes sehen wir dieunzweckmäßigsten Materialien verwendet, wie Achat, Marmor und andere Steine,und das Tragen eines Stockes, weit entfernt beim Gehe» größere Sicherheit zngewähren, ward zur Last, der man sich nur der Mode halber unterzieht. Die Zier-stöcke, wie sie seit dem Anfange des 18te„ Jahrhunderts immer mehr in Aufnahmekamen, wurden vorzugsweise i» Frankreich angefertigt und hatten oft einen außerordentlichen Werth. Derselbe war allerdings vorzugsweise von der reichen Garni-rung i» Gold, Silber, Bernstein und Brillante» abhängig, allein er wurde überdieswesentlich von einer besonders geschätzten eigenthümlichen wolkigen (clouileü) Zeich-nung des Achats und des Marmors bedingt, aus dem der Stock zusammengesetzt war.Diese „wolkigen" Stöcke, welche die Dichter der damaligen Periode, z. B. Pope*)in seinen, „Lockenraub" und Gay^) j„ seine», „Fächer" so oft erwähnen, waren inder Regel in kostbaren Etuis von Leder und Seide aufbewahrt und nur bei besonders festlichen Gelegenheiten trug man sie zur Schau.

Der Zierstock wurde bald der unzertrennliche Begleiter des Mannes von Fashionund gab den Sathrikern jener Tage nicht selten Gelegenheit, ihren Witz zn üben.In der von Addison und Steel im Anfange des löten Jahrhunderts herausge-gebenen Zeitschrift „DI,e Datier" muß der Jierstock wiederholt herhalten. In einen,dieser Blätter wird ein gewisser Jsaak Biekerstaff angeführt, welcher Unterrichtin der schnlgcrechte» Führung von Stöcke», Perspektiven, parfümirten Wassern ic.und andern freien Künste» ertheilt und heilsame Reformen in diese» wichtigen Be-schäftigungen vorschlagt. Das Tragen von Zicrstöcken verbietet er geradezu, wennnicht genügende Gründe für die Beibehaltung derselbe» vorgebracht und hinreichendeGarantien, für die richtige Führung gegeben werden. Ergötzlich ist es dann, die