Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
567
JPEG-Download
 

§. 142. Stöcke.

567

Hamburg, vermöge seines Freihafens, hat gleich London den Verzug vvr andernStädten, daß es seine Materialien zollfrei einführen kann, und es bezieht daher jähr-lich sehr bedeutende Quantitäten der für diese Industrie erforderlichen Rohstoffe vonden, Londoner Markte. Durch daö niedrigere Arbeitslohn hat Hamburg überdieseinen so großen Vortheil vor London voraus, daß es sehr erfolgreich mit der Engli-sche» Fabrikation in Konkurrenz treten konnte. Wir brauche» Wohl kaum z» erwäh-len, daß der genannte H. (5. Meyer jn». für die reichhaltige Sammlung vorzüg-licher und meist mit Schnitzereien von guter Zeichnung nnd sorgfältiger Ausführungverzierter Spazierstörke die PrciSmcdaille erhielt. Gleichzeitig hatte derselbe gespalte-nes. theils glattes, theils gerieftes Fischbcitl ausgestellt, welches zum llcbcrkleide» vonStöcken, Peitsche», Operngläsern »»d Fernrohren benutzt wird.

Oesterreich.

Dir Stockfabrikatiou in der Ocstcrreichischcn Abtheilung war sehr reichhaltigdurch drei Aussteller vertreten. Von diesen hat der Eitle tgc PrciSincdaille davongetragen, welche ihm jedoch hauptsächlich wegen der gleichzeitig ausgestellten Pfeifen-rohre zuerkannt wurde, wie in dem Abschnitte über Meerschaum nnd Bernsteinfabrikatc erwähnt werden wird. Die beiden andern Aussteller habe» zwar keinenPreis erhallen, doch verdienen ihre Sammlungen, sowohl was deren Reichhaltigkeit,als auch was die Wohlfeilheit »»d gute Arbeit der eingesendeten Artikel anlangt,jedenfalls Anerkennung. Das größte Assortiment war von A. Tautz ausgestellt,welches eine seltene Auswahl von Stöcken im Preise von 24 Kr. bis zu mehr als24 Fl. K.-M. das Stück enthielt. Sie waren fast sätnmtlich mit geschnittene»Elfenbeingriffkn versehen, die sich zwar nicht durch großen Knnstwerth, aber dochdurch feine uno sorgfältige Ausführung »nd theilwcisc durch eine höchst humoristischeAuffassung auszelchneten nnd dabei im Verhältniß zu der Arbeit sehr billig zu stehenkommen. Der andere Aussteller war T. Ludwig, welcher Spazierstörke im Preise von3U Kr. und aufwärts, aber nicht bis z» denselben hohen Preise», als der vorherge-hende Aussteller, eingesendet hatte. Dagegen verdienen seine Artikel, an welchen ausfreier Hand gearbeitete Schnitzereien angebracht waren, ihrer Wohlfeilheit wegenhervorgehoben zu werden.

Fraukrei ch.

Die Französische Abtheilung enthielt einige sehr elegante Proben von Spazier-stöcken aus Horn und Schildpatt, welche vorzugsweise von A. Bugri in Paris eingesendet worden waren und demselben die ehrenvolle Erwähnung erwarben. Dochhatten auch einige der Regenschirm-Fabrikanten, welche im vorhergehenden Artikelausführlicher besprochen worden sind, Spazicrstöcke (ebenfalls meist von Horn undgepreßtem Schildpatt) ausgestellt, da die »leisten Fabrikanten in Frankreich beideGeschäftszweige gleichzeitig betreiben. Frankreich hat in diesem Fache keine bedeu-tende AuSfuhr, denn eS kann weder mit London und Hamburg in den gewöhnlichenbillige», noch mit Wien in Betreff der kostbareren Sorten, und namentlich in denElfenbeinschnitzereien, der dortigen geringeren Produktionskosten halber, erfolgreichkonkurrircn. Der Arbeiter in diesem Zweige verdient in Paris durch Stückarbeitzwischen 3^ Fres. und 6 FrcS. »nd ein geschickter Graveur gegen 9 FrcS., Frauenverdienen von 1 FreS. SO Ernt. bis 2 FreS. 25 Cent. täglich. Rondot schätztden Werth der von dem größte» Fabrikanten daselbst jährlich fabrizirten Artikel auf300,000 Fres., worunter jedoch zugleich Reit- nnd Fahrpcitschcn begriffen sind.Ungefähr neun Zehmheile davon werden erportirt. °)

Die Spazicrstöcke in der Belgischen Abtheilung hatte ein Aussteller ausBrügge eingesendet. Sie waren sämmtlich mit eingelegter Arbeit verziert und gutgearbeitet.