Band 
Dritter und letzter Theil.
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tz. 143. Fächer.

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8. 143.

Fächer.

Der Ursprung des Fächers verliert sich im tiefsten Alterthume. Durchblätternwir die Annalen der Römischen Geschichte oder des Hellenische» Alterthums, odergehen wir selbst bis zn den ältesten Zeiten der Aegyptischen Könige und zn denfabelhaften Ueberlieferungen des großen himmlischen Reiches der Mitte zurück,überall begegnet »ns der Fächer als ein nie fehlender Lurusartikel dieser altenBöller. Die Wandgemälde an den vor länger als 3000 Jahren erbauten Grab-denkmälern des Aegyptischen Theben, die n»S mit seltener Treue und Frische ein voll-ständiges Bild des häusliche» und öffentlichen Lebens dieses alten Bolkes darstellen,zeigen »ns, daß längst vor dem Ausznge der Jsraelite» der Gebrauch des Fächers inAegypten allgemein war. Hier erblicken wir die Pharaonen, anf ihrem Throne sitzend,rings von ihren Hoffächerträgern nmgebcn, da zeigt uns ein zweites Bild, wie derHerrscher das hohe Amt des Fächerträgers einem seiner Unterthanen verleiht, undwir erinnern uns der Geschichte Josephs, der ja, wie uns die Bücher Mosis berichte»,von Pharao mit dieser Würde betraut wurde. Denn das Amt des Fächerträgerswar ein wichtiges und ehrenvolles, und nur Männern von Rang und Verdienstpflegten die Jnsignien desselben — die langen dünnen, in glänzenden Farbe» pran-genden Fächer mit bunten geflochtenen Handgriffen — verliehen zu werden. ImKriege waren diese Männer des Königs Befehlshaber, und der Fächer wurde zurStandarte; in Friedenszciten war es ihr Amt, beim feierlichen Opferdienst im Tempeldem Pharao mit ihrem Fächer Kühlung zuzufächeln, und die heiligen Opfer vorEntweihung durch Jnsektenschwärme zu schützen.

Aus dem Oriente ging der Fächer nach Griechenland über. Euripides erwähntdenselben und seine Abstammung aus barbarischem Lande. Der Griechische Fächerist jedoch bei weitem geschmackvoller als der Orientalische; der von dem Priester derIsis gehandhabte bestand aus einem einfachen dünne» Stiele, an dessen beiden Seitendie Flügel eines Vogels befestigt ware». Der gewöhnliche Fächer hatte indesseneine etwas andere Form. Federn von verschiedener Länge, fächerförmig ausgebreitet,waren unten mit einem Faden zusammengebunden, während sie ein zweiter Fadennahe an der Spitze zusanimenreihte, und der fertige Fächer wurde an einem Hand-griffe befestigt, ganz nach Art des noch jetzt in Indien und Chiua gebräuchlichenStaatsfächerS. Dieser Fächer, wie ihn die Gemälde auf den hamiltonischen Vasendarstellen, wurde von einer Sklavin geschwenkt.

Von ähnlicher Form war der Römische Fächer. Er war nach Virgil undAvulejus dem Bacchus geheiligt; der in)stica vannus ckaccki wurde bei den Festendieser Gottheit und bei den eleusinischen Mysterien einhergeeragen. Das Wort„vannus," mit welchem die Römer ursprünglich den Fächer bezeichneten, und demsich erst später die Ausdrücke tlabellum und imiscariu», zugesellten, hat sich mitihren Eroberungen und dem im Gefolge derselben eindringenden Lurus in geringerAbänderung nach Westen hin in alle Sprache» verbreitet.

Bei den vornehme» Römerinnen, die stets bedacht waren, jeden Lurus desOrients sich dienstbar zu machen, scheint der Fächer ganz allgemein im Gebrauchgewesen zu sein. Sie ließe» sich mit prachtvollen Fächern von Pfauen- oder gefärbtenStraußfedern von ihren Sklavinnen Kühlung zuwehen, denn da die Fächer jenerPeriode noch nicht zusammenfaltbar waren, so bedurften sie hierzu einer besonderenBedienung. Zuweilen übernahm auch der Liebhaber aus natürlicher Galanterie, oderauf den Rath Ovid's hin, des erfahrenen Meisters in der Kunst zu lieben, diesesAmt. Unsere schönen Zeitgenossinnen, die den Fächer so gut zu gebrauchen ver-