Band 
Dritter und letzter Theil.
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§. 146. Künstliche Blumen und Früchte.

Noch müssen wir einer Kuriosität gedenke». ES war dies eine in

China

aus Englischer Cannelkohle geschnitzte Schnupftabacksdose. Die Kohle war zu demEnde von Kapitain Shea mit nach China genommen worden. Die ornamentaleSkulptur, welche sehr mannigfaltig ist, wurde »ach der Angabe Kapitain Shea's inChina mit nicht mehr als 2 Lstr. bezahlt.

') Dke uevo 8tstistica! »ecount ok 8cotlr>»rl. Vnl. XI. p. 141.

Aus einem Holzblvcke, der etwa 25 Sch. kostet, lassen sich Dosen im Werthevon 3000 Lstr. schneiden.

8. 146.

Künstliche Blumen und Früchte.

Es dürfte nicht ganz leicht sei», die Zeit auszuinitteln, zu welcher die Knust, dieErzeugnisse des Pflanzenreichs nachzuahmen, zuerst geübt worden ist; ebenso wenigweiß man sicher, welche Nation sich zuerst mit dieser Kunst beschäftigt hat. Ge-wöhnlich wird Frankreich , wo diese Industrie im Augenblicke in höchster Blüthe steht,als das Vaterland derselbe» bezeichnet, allein die Französischen Schriftsteller überdiesen Gegenstand räumen selbst ein, daß sie keineswegs Französischen Ursprungs sei— und wer wollte, solche» Zeugnissen gegenüber, an der Richtigkeit der Angabezweifeln? — sondern aus Italien stamme, aus welchem Lande Frankreich seinenganzen Bedarf bezogen habe, ehe die Kunst in dem 18. Jahrhundert, namentlich inder letzteren Hälfte desselben, in Paris und Lyon heimisch geworden sei. Die Alt-italienischen Blumen waren in der Regel aus den Cocons der Seidenraupe und ausItalienischer Gaze gefertigt, Materialien, die auch noch in, Augenblicke in manchenKlöstern dieses Landes, namentlich zu Genua , vielfach verarbeitet werden. DieseBlumen waren in der Regel nur schwache Nachahmungen der Natur; in vielen Fäl-len hatten die Verfertiger derselben gar kein Naturbild vor Augen, ihre Produktewaren ganz eigentlich lleurs ste kantaisie. Auf Französischen Bode» verpflanzt, ge-wann diese Kunst schnell eine außerordentliche Verbreitung, und zwischen den Jahre»l760 und 1780 sehe» wir sie nicht nur von der zahlreichen Gilde der Fleuristen inParis als Gewerbe betrieben, deren Produkte an dem üppigen Französischen Hofesich reißenden Absatzes erfreuten, sondern wir finden sie auch in den Händen derweiblichen Aristokratie der damaligen Zeit, die sich dieser unterhaltenden Beschäfti-gung bald mit besonderer Vorliebe widmete. Der lebendige Sinn für das Studiumder Natur, welcher damals bereits in Frankreich Wurzel geschlagen hatte, konntenicht lange ohne Einfluß auf diese neue Kunst bleiben; eine getreue Nachahmungder Natur, welche in den frühesten Erzeugnisse» derselben als ein sehr untergeordne-tes Element hervorgetreten wat, wurde bald zur Hauptaufgabe, sowohl für den Fa-brikanten, als für den Liebhaber. Die Produkte der damaligen Periode, obwohl siemit denen der Gegenwart nicht in die Schranke treten können, müssen nichtsdestowe-niger bereits eine sehr hohe Stufe der Vollkommenheit in dieser Beziehung erreichthaben, und namentlich scheinen es einige Dilettanten in der naturgetreuen Wieder-gabe gewisser Pflanzen sehr weit gebracht zu habe». ES ist bekannt, daß die künst-lichen Feldblumen der Madame Genlis die Bewunderung eines Buffon erregten.Die neuen Anforderungen, welche auf diese Weise an die Kunst des Fleuristen ge-stellt wurden, erheischten eine entsprechende Erweiterung seiner Mittel und mußtenihn, bald eine ganze Reihe neuer Materialien zuführen. Papier , Battist, Mouffelinund andere baumwollene Stoffe, Chenille, Feder», Stroh, Fischbein, Muscheln,Wachs, kurz was ihm in die Hand fiel, half ihm die Natur wiederzugeben. Ein in