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8. 116. Künstliche Blumen und Früchte.
zu Theil geworden find. Von diesen wurde» 4 Preismedaillen und 3 ehrenvolleErwähnungen für WachSbluinen gegeben. Dieser Umstand allein reicht hin, denCharakter der Englische » BlumenanSstellniig zu bezeichne». Jeder, der den Krystall-palast auch nur oberflächlich betrachtet, wird sich der reichen Bliimenfülle erinnern,welche auf der Galerie, den, Hanpteingange in dem Krcuzflügel gegenüber, prangte.Beinahe alle dort aufgestellte» Blumen waren aus Wachs gefertigt.
Die schönste »nd reichste Saniinlnng von Wachsbluinc» war unstreitig vonder Familie Mintorn (John H., Horatio, Elisabeth und Rebecca Mili-tär»), Soho Square, London eingesendet worden. Die prachtvollen GlaSschränkedieser Aussteller mußten Jedem, der die Seitentreppe linker Hand beini Einbiegen indie Ausländische Abtheilung emporstieg, in die Augen fallen, und waren in der Regelvon einer solchen Menge Schaulustiger umlagert, daß die Passage in diesem Theileder Galerie nicht selten vollständig gehemmt war. Der größere Theil der Min-torn schien Sammlung bestand aus lebenStrenen Nachbildungen einer Reihe höchstseltener Pflanzen, welche meist nur in botanischen Gärten gefunden werden, insbeson-dere solchen, deren fleischige Blüthenblättcr sich vorzugsweise zur Darstellung inWachs eignen. Die Orchidee» und Farriikräntcr waren daher in besonders reicherAuswahl vertreten. Sämintliche Artikel, welche die Mintorn S in diesem Facheausgestellt haben, bezeugen neben einer vollständigen Bewältigung des Stoffes undeiner geschmackvollen BehandlungSweise, eine seltene botanische Kenntniß, welche sichin der Auffassung des ganzen Habitus einer Pflanze ebenso wie in der Darstellungder unbedeutendsten Einzelheiten kund giebt. Um einzelne Pflanzen dieser Ausstellunganzuführen, erwähnen wir vor Allem die prachtvolle Victoria lirzia, welche denBoden des Schrankes bedeckte. Diese schönste aller Wasserpflanze», mit ihren großenBlüthen, deren zartes Weiß sich nach dem Mittelpunkt zu in leichtes Roth verläuft,mit den Riesenblättern, seitwärts aufgekrempt, unten mit einem rothbrannen Stachel-wald bekleidet, hatte für den Deutschen Beschauer ein besonderes Interesse, insoferndie Ehre der Entdeckung dieser Pflanze unserm berühmten Landsmanne, Sir RobertSchomburgk , angehört. Ueberdieö standen damals gerade sowohl in dem botani-schen Garten zu Kew, als auch in dem Universitätskonservatorium zu Orford, herr-liche Eremplare dieser Pflanze in voller Blüthe, so daß die Gelegenheit zur Ver-gleichung von Knust »nd Natur gegeben war. Außer der Victoria kiezia verdientennoch prachtvolle Nachbildungen von kbalaenopsis amabilis erwähnt zu werden, derIndischen SchmetterlingSblume, deren weiße Blüthen den Flügeln eines Schmetter-lings gleichen. Ferner des a»S Meriko stammenden Odontoßlossum membranaceum,mit seiner fleischfarbigen Blume »nd der 8tanl,opra ocnlata, welche ihren Name»bekanntlich von den beiden dunklen Flecken erhalten, die wie Augen aus der Unzahlkleiner Pünktchen hervorsehen, mit denen der herabhängende Blüthenbüschcl besäetist. Nicht minder gelungen waren mehrere Eremplare der ^Ilsmsncia 8ckwttü, derenglockenförmige Blüthen von saftig gelber Farbe üppig an den Fensterstäben des GlaS-schrankeS emporrankten, der llo)-a impcrialis, einer andern ausgezeichnet schönen Schling-pflanze, der Lantna dcpendens, mit ihren Büscheln röhrenförmiger Blumen, gelb-gestreift auf karinoisinrothem Grunde, der Lnpliorbia >7accg»!niklora, deren tiefrotheBlüthe angenehm mit den lichtgrünen Blättern kontrastirt, und endlich der I7vm-pliaea coernlea, einer der schönsten Wasserlilie», deren blaue Blüthenblättcr eine Kronevon gelben Staubfäden umschließen, einer reichen Auswahl von Passionsblume»(I'aLsillora princepü, ?. gnadrangularis, I'. palmata) nicht z» gedenken. Neben dengenannten Eremplare», welche als botanisch genaue Nachbildungen seltner Pflanze»ein nicht geringes wissenschaftliches Interesse darboten, hatte die Familie Mintornnoch eine kleinere Sammlung von gewöhnlicheren Blumen, als Rosen, Kamelien,Fuchsie», Georginen n. s. w., vorzugsweise zur Zimmerverzicrung bestimmt, ausge-stellt. Die Ausführung derselbe» war von derselben Vollendung, und es muß über-