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§. 156 .
Das Britische R e i ck.
Die Englische Regierung hat als solche von dem Gedeihen der bildenden Künstebis zur neueren Zeit eigentlich wenig Notiz genommen, sondern die Förderung der-selbe», wie so vieler anderen höchst wichtigen Gegenstände, dem Publikum überlasse».Die Gründung der Akademie der Künste fällt spät und die Mittel, welche die Regie-rung ihr jährlich zuwendet, sind äußerst gering. Auch die Kunstsammlungen desBritischen Museums für Skulptur, der Nationalgalcrie für Malerei, sind von neuemDatum und verdanken manche ihrer Schätze den Vermächtnissen und Schenkungenvon Privatpersonen. Aufträge für monumentale Werke an die besten Bildhauer undMaler, wie sie von Privatpersonen nicht ertheilt werden können, sind in größererZahl von der Regierung erst gelegentlich des Baues der neuen Parlamentshäuserertheilt worden. Dieses ist der Hauptgrund, weshalb in beiden Künsten bisher inden Vereinigte» Königreichen sich kein monumentaler Styl hat ausbilden können.Auch Schulen, weiche der unermeßlichen Industrie Großbritanniens den wohlthätigenEinfluß der bildenden Künste zuführten, sind erst seit dem Jahre 183k ins Lebengetreten. Wiewohl in so manchen Beziehungen in den Erzeugnissen der Englischen Industrie deren gedeihlicher Einfluß sich schon in einer sehr erfreulichen Weise wahr-nehmen läßt, so erklärt sich doch aus obigem Umstände, warum dieselben an Geschmackder Formen und Farben den Erzeugnissen anderer Nationen in vielen Fällen habennachstehen müssen. Da die Regierung wie die Nation sowohl über die bildendenKünste an sich in ihrer monumentale» Bedeutung, als über deren höchst wichtigenEinfluß auf die Industrie durch die Vcrgleichungen, welche diese Ausstellung imgrößten Maßstabe gewährt hat, zum Bewußtsein gekommen ist, läßt sich, bei der Ener-gie der Regierung wie der Nation, für die Zukunft in beiden Beziehungen ein ent-schiedener Fortschritt mit Sicherheit voraussehen.
Gegenstände der Plastik.
I. Die Skulptur in größerem Maßstabe.
Keine andere Nation hat eine so große Anzahl von Werken dieser Art aufge-stellt, als die Engländer. Der Grund für diese Erscheinung ist theilweise allerdingsdarin zu suchen, daß sie nicht nöthig hatten, diese Werke, gleich den andern Natio-nen, mehr oder minder weit herzubringen, was stets mit namhaften Kosten verbun-den ist; theilweise aber auch in dem Reichthum, worin diese Nation allen andern soweit überlegen ist. Mit Recht haben Sachkundige von der Skulptur, wie sie in derneueren Zeit bis vor etwa 15 Jahren in England ausgeübt worden ist, im Allge-meinen nicht befriedigt werden können. Nur der große Flarman ragt mit seinerwunderbaren Fülle schöner Erfindungen, mit denen indeß die Ausführung sich nichtaus gleicher Höhe befindet, einsam aus jener Zeit hervor. In der That schien seingroßes Vorbild für die Englischen Bildhauer für eine Zeit lang so gut wie verlo-ren, denn wenn auch zu jeder Zeit bei der entschieden realistischen Richtung derEngländer in der Kunst und namentlich von Chantrh, der lange Zeit an derSpitze der Englischen Bildhauer stand, in großer Zahl vortreffliche Büsten ausge-führt worden, so verrathen doch die Werke, welche eine höhere Anforderung machenund dem freischaffenden Gebiete der Kunst angehören, einen auffallenden Mangel antüchtigem Wissen, wie an Geschmack. Namentlich aber fehlt es ihnen an einem rich-tigen plastischen Styl. In seinen besten Werken machte indeß Baily hiervoneine rühmliche Ausnahme. Zu diesen dürften indeß die ausgestellten, ein Jäger und