636 XXX. Klasse. Werke der schönen Kunst.
ein junge» Mädchen, sowie seine nur in einem Zinkabguß vorhandene Eva nicht zurechnen sein. Nichtsdestoweniger waren sie immer von dem Verdienst, daß ihnen dieJury die Preismedaille zuerkennen konnte.
Die Geistesart des Flarman, das Studium der höchsten Gebilde Griechi-scher Kunst, welche Lord Elgin den Künstlern gewährt hat, das Vorbild des gro-ßen Thorwaldscn, mit dem mehrere Englische Bildhauer in Rom in Beziehungstanden, hat indeß jetzt Männer herangebildet, welche jene, ihren Vorgängern fehlen-den Eigenschaften in einem sehr namhaften Grade besitzen.
Vor allen ist hier der Bildhauer Gibson (Nr. 80. der Skulpturen-Galerie)zu nennen. Sein Jäger mit einem Hunde zeigt eine lebendige und geistreiche Auf-fassung, lebhaftes Gefühl für schöne Linien, ein gründliches Wissen, eine plastischrichtige Behandlung der Flächen und eine naturwahre und fleißige Durchbildung, sodaß die Jury ihm unbedingt die große Verdienstmedaille zuerkannt haben würde,wenn er nicht, als Mitglied derselben, von der Erhaltung eines Preises ausgeschlossengewesen wäre.
Nächst ihn« ist der leider in der schönste» Kraft der Jahre hinweggeraffte RichardI. Wyatt (östlicher Theil des Hauptschiffes, maln srenue east) zu erwähnen. DieStatue seiner Glycera zeigt ein zartes, weibliches Gewächs von einer einfachenAnmuth der Bewegung, einem feinen Gefühl für die Formen weiblicher Schönheit,einem mit richtigen Stylgefühl und gutem Geschmack geworfenen Gewände, endlicheine sich mit gleicher Liebe über alle Theile verbreitende Ausführung- Dieses Werkvereinigte daher alle Eigenschaften, um demselben von der Jury die große Verdienst-medaille zusprechen zu lassen.
Diesen Künstlern streben Folgende jetzt in einer würdigen Weise nach:
Foley. Sein in einem Gypsmodell, wie in einem Bronzeguß ausgestellterJüngling, im Begriff, zum Bade in den Fluß hinabzusteigen (im Hauptschiffe), ist inder Weise, wie er sich noch an einem Baumast festhält und den einen Fuß schüchternvorstreckt, von eigenthümlichem Reiz der Erfindung, welchem das schlanke Verhältniß,die schönen, wohlverstandenen Glieder, von ächt jugendlichem Charakter, durchausentsprechen. In seiner Jno (GypSabguß, Nr. 19. der Skulpturen-Galerie), welche,bequem ausruhend, dem liegenden kleinen Bacchus einige Weinbeeren hinhält, wonacher begierig die Händchen ausstreckt, zeigt sich ein schöner Sinn für weibliche Anmuthder Bewegung und für Eleganz der Formen. Bei alledem ist das Werk nicht so»»gesucht wie das erstere, weshalb er auch für dieses die Preismedaillc erhalten hat.Daß dieser Künstler auch bei einer ironischen Statue die für eine solche erforderliche,individuelle Wahrheit und zeitgemäße Kleidung mit dem plastischen Styl zu verbin-den weiß, beweist seine für die Parlamentshäuser ausgeführte Statue von Hambdenin GypSabguß (im Hauptschiffe).
John Bell. In seinem in einem Abguß in Bronze und in Eise» ausgestelltenAdlerjäger (Nr. 641. Klaffe XXII. westliches Hauptschiff Nr. 53.) führt es uns einenkräftigen Mann iu bewegtester Stellung vor, dessen Kraftaufwand, womit er den Pfeilsoeben nach dem Adler abgeschnellt hat, die Muskeln und Sehnen iu der vollstenThätigkeit zeigt. Das Augenblickliche der Stellung ist ihm vortrefflich gelungen undder Körper verräth ein Verständniß und eine Durchbildung, wie sie die Englische Plastik nur selten auszuweisen hat. Dieses Werk hat ihm daher auch besonders diePreismedaille erworben. Seine für die Parlamentshäuser ausgeführte Statue desFalkland (Nord-Transept Nr. 28.) beweist, daß der Künstler auch der lebendigenAuffassung und angemessenen plastischen Durchführung einer edlen Persönlichkeit imZustand des ruhigen Daseins in einem seltenen Grade gewachsen ist. (GypSabguß).
Auch folgende Bildhauer zeigen nach verschiedenen Richtungen namhafte Talenteund richtige Prinzipien: