Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
654
JPEG-Download
 

654

XXX. Klasse. Werke der schönen Kunst.

Duret, Jaley, Simard, Dumon, Raine!), der Baron Triquetti, Davidvon Angers leider nicht betheiligt haben.

Jacques Pradier ') (Nr. 1407.), Phryne. Den Namen dieser berühmtenHetäre hat der Künstler einer jugendlich weiblichen Statue gegeben, welche durch dieSchönheit ihrer Gefichtszüge und die eleganten Formen, die Anmuth der Bewegung,diesem Namen einigermaßen entspricht. Auch in der Behandlung der Flächen, wiein der sorgfältigen Vollendung mit dem Meißel hat er nicht ohne Erfolg den Vor-bildern Griechischer Kunst nachgestrebt. Für einen schönen jugendlichen Körper istindeß der Leib etwas zu stark ausgeladen, und sind die Falten des den Körper inzu gerader Linie durchschneidenden Gewandes zu steif parallel, zu unbelebt; endlichmacht die Gewandmaffe, vom Rücken der Statue gesehen, die unangenehme Formeines Dreiecks. Der Einfall, den Saum des Gewandes mit einem ä I» Krecquevon rother Farbe zu versehe», ist nicht glücklich zu nennen, indem die Wirkung,der sonstigen gänzlichen Farblosigkeit des Marmors gegenüber, zu grell und zu ver-einzelt ist. Eine in Bronze gegossene, hockende Venus, welche zu dem sich an ihranlehnenden Amor spricht, ist sehr glücklich in der Erfindung und auch größtentheilsin der Formengebung. Die Ausführung erstreckt sich indeß nicht mit gleicher Sorg-falt über alle Theile. Die große Verdienstmedaille für die Phryne.

Auguste Debay (Nr. 45.), le Premier derer»» (die erste Wiege) hat derKünstler eine Eva genannt, welche, die Hände vor einem ihrer Kniee gefaltet, dieschlafenden Kinder Kam und Abcl in ihrem Schoße hält. Die Forme», sowie dieBewegung der Eva sind von »»gemeiner Schönheit, Wahrheit und Weiche, auch derAusdruck mütterlicher Theilnahme in ihren Zügen ist sehr ansprechend. Dessen un-geachtet hat das Motiv der Eva etwas Gesuchtes und Gewaltsames, find die Kinderin den Linien wenig glücklich, und ist endlich die große Haarmaffe der Eva sehrstylwidrig behandelt. Prcismedaille.

E. L. LequeSne (im östlichen Hauptschiffe). In einem in Bronze gegossenenSatyr, welcher »ach einer antiken Sitte im fröhlichen Rausch auf einem Wein-schlauche tanzt, ist der Charakter des Kopfes, wie der derben, kräftigen Muskeln sehrdiesen Bildungen der Phantasie der Alten entsprechend, das Motiv leicht und be-quem, und die fleißige Ausführung sehr gleichmäßig. PreiSmedaille.

A. Eter (Nr. 1215.). Von den drei Gruppen, die dieser Künstler ausgestellthat, ist die der Hero und des Leander, welche traulich zusammenstehen, die anspre-chendste. In dem Kain und seiner Familie hat er in den Gefichtszüge», wie in denschweren und plumpen Gliedern, welche indeß sehr getreu dem Leben entnommenfind, eine gemeine und verwerfliche Natur mit vielem Erfolg wiedergegeben. Amwenigsten sagt durch den Gegenstand seine allegorische Vorstellung der Stadt Paris zu, welche zum Himmel um Abwendung der Cholera emporsieht, an der ein Alterund ein Jüngling gerade mit großer Wahrheit verscheiden. Dieses gehört dem Ge-biete des Entsetzlichen an, welches, wie es scheint, nur in Frankreich fleißigen Anbauund zahlreiche Bewunderung findet. In allen diesen Werken des Künstlers giebt sicheine außerordentliche Tüchtigkeit des Wissens kund. Preismedaille.

T. Clesinger (Nr. 419.), eine Bacchantin, welche sich im Rausche auf demBoden herumwälzt. Die meisterhafte Behandlung des Marmors, die große Kenntnißder einzelnen Formen, die Schönheit der Gefichtszüge, gewähren immer keinen hin-länglichen Ersatz für die schwere Verirrung der künstlerischen Phantasie, welche sichdazu hergegeben, der gemeinste» Sinnlichkeit zu fröhnen. Ueberdem ist die Behand-lung des Haars sehr stylwidrig, die Falten des Gewandes sehr geschmacklos. Nuraus jener sittlichen Rücksicht ist diesem Werke keine PreiSmedaille zuerkannt worden.

I. M. Ramus (Nr. 14l9.), Cephalns, welcher die in seinen Armen sterbendeProcris betrachtet, ist glücklich in den Linien und zeugt von guter Kenntniß der