Band 
Dritter und letzter Theil.
Seite
655
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§. 159 . Frankreich . 655

Natur. Die Durchbildung ist indeß nicht groß, und noch dazu in den verschiedenenTheilen ungleich. Preismedaille.

M. Pascal (Nr. 1660.), ein Mönch, welcher einem Knaben ein Kruzifix zumlebhaft aufgedrückten Kusse hinreicht, während ein Mädchen ihn betrachtet, ist in denKöpfen von ungemeiner Wahrheit und Liebenswürdigkeit des Gefühls. Die Kom-position, sowie die Gewänder sind indeß mehr malerisch zu nennen, als plastisch,und Alles, mit Ausnahme der nackten Theile, ist in Marmor fast nur skizzirt. Ehren-volle Erwähnung.

Ch. Cordicr (Nr. 460.). Der in Bronze gegossene Kopf eines Negers ist einwahres Muster für eine charakteristische und lebendige Auffassung, und eine in allenTheilen gleichmäßige und meisterhafte Durchbildung. Ehrenvolle Erwähnung.

Jean Debah (im östlichen Hauptschiffe). Ein junger Jäger, unbekleidet, inantiker Weise aufgefaßt, eilt herbei, um einen niedergestürzten Hirsch, der auch voneinem Hunde gefaßt wird, zu tödten. Die ganze Gruppe hat auf eine natürlicheWeise eine sehr glückliche Form. Der Jäger, wie die Thiere, sind mit tüchtiger Kennt-niß fleißig und st>ilgemäß ausgeführt. Preismedaille.

Fratin (Nr. 1235.). Bon diesem berühmtesten Thierbildner Frankreichs inunseren Tagen ware » zwei Adler mit einem erlegten Stcinbock, ein Windhund, einanderer Hund, alle in Lebensgröße, und einige Thiere im kleineren Maßstabe, sämmt-lich in Bronze, auf der Ausstellung vorhanden. Alle entsprechen durch die Leben-digkeit der Auffassung, die große Naturtrene, die fleißige und stylgemäße Behandlungaller Theile, besonders des Felles und der Federn, dem Rufe des Künstlers. Preis-medaille.

A. I. B. Lechesne (Nr. 573.), zwei in Gipsabgüssen vorhandene Gruppenvon Hunden und Kindern, deren eine den Kampf eines Hundes mit einer Schlange,welche ein Kind bedroht, die andere den erschöpften Hund mit der getödteten Schlangeund die Dankbarkeit und Freude des Kindes hierüber vorstellen, ziehen durch dieaußerordentliche Wahrheit und Lebendigkeit in Form und Ausdruck der Hundeköpfeuugemei» an. Die Kinder sind dagegen schwülstig und plump in den Formen, auchist die Behandlung des zu sehr iws Einzelne gehenden Felles der Hunde sehr styl-widrig. Ebenso ist bei einer anderen Gruppe eines Adlers, welcher einer schlafendenoder todten Mutter das Kind raubt, dieser wieder höchst meisterhaft und bei weitemdas Beste der Gruppe. Preismedaille.

Bonnassieur (Nr. 64.), eine Gruppe in Bronze. Amor als ein Jüngling,welcher sich seine Flügel beschneidet, ihm zur Seite ein Hund. Der Körper desAmor ist sehr zierlich, doch in dem Kopfe ist der antike Typus zu trocken kopirt.Die Ausführung ist dabei sehr ungleich, so ist namentlich der Hund sehr vernach-lässigt. Ehrenvolle Erwähnung.

Obgleich der Klaffe XXVI. ungehörig und von derselben mit der großen Ver-dienstmedaille belohnt, gehört ein großer Schrank von A. E. Fourdinois (Nr. 123l.)doch durch glückliche Erfindung und vortreffliche Ausführung der großen an demselbenbefindlichen menschlichen Figuren und Hunde so sehr in das Gebiet der Skulptur,daß er hier nicht unerwähnt bleiben darf.

ES drängt sich an dieser Stelle sehr natürlich auf, einen kurzen Vergleich dergeistigen Richtungen in den Skulpturen der drei großen Nationen, der Engländer,der Franzosen und der Deutschen anzustellen. Alle drei, die Engländer freilich erstin der neueren Generation, erkennen in den Schöpfungen idealer Künste die Grie-chische Skulptur als ihr Vorbild. Die Engländer streben einerseits nach dem Lieb-lichen und Graziösen, andererseits, aber mehr neuerdings, nach dem Kräftigen undMännlichen, meist in lebhafter Bewegung. Die Franzosen trachten vornehmlich nach