Band 
Dritter und letzter Theil.
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XXX. Klasse. Werke der schönen Kunst.

8. 162.

Italien und Spanien .

I Italien.

Von cinem gemeinsamen Charakter der Italienischen Skulptur unserer Tage kannnicht die Rede sein. Einige Künstler, wie Bienaime, arbeiten noch in der Weisedes Canova, andere, wie Tenerani, folgen mehr dem Thorwaldsen, nochandere, wie Marochetti, haben sich in Geist und Form der romantischen Kunsthingegeben.

1. Sardinien .

Skulptur im größeren Maßstabe.

Der Baron Marochetti (Nr. 92. im westl. Hauptschiffe). Obgleich in Frank-reich gebildet und jetzt in England ansäßig, stammt dieser Künstler doch aus Sar-dinien , so daß er am angemessensten diesem Lande beigezählt werden möchte. DieReiterstatue von König Richard Löwenherz in kolossalem Maßstabe. Das im Freien,am Wcstende des AuSstellungsgebäudes, aufgestellte, und bronzirte Modell in Gppszeichnet sich durch die freie, edle Auffassung in dem ritterlichen König, welcher, ineKettenpanzer, die Rechte mit dem Schwerte erhebt, sowie durch die Lebendigkeit desschönen Rosses ungemein aus. Freilich fehlt es bei dem letzteren in einigen Stückennoch an Verständniß; so hat der Hintere Theil, namentlich die Beine, etwas Lah-mes. Auch läßt die Durchbildung noch viel zu wünschen übrig, und ist besondersdie Angabe der Adern ganz willkührlich. Der im Innern des Gebäudes aufge-stellte, mehr ausgeführte Pferdckopf zeigt indeß, was der Künstler bei einiger Aus-bildung aus dem Ganzen machen kann. Die große Verdienstmedaille.

Nicolas Lendy, Graveur an der Königlichen Münze zu Turin (Nr. 60.).Dieser Künstler hatte neun mikroskopische Stempel von Münzen als Beispiele einesvon ihm erfundenen Verfahrens ausgestellt, vermöge welches solche Stempel mitder außerordentlichsten Genauigkeit in einem unglaublichen Maaße verkleinert wieder-gegeben werden können. Nur mit einem sehr starken Mikroskope ist die Genauigkeitvon Bild und Schrift darauf zu erkennen.

2. T o s k a n a.

a. Skulptur im größeren Maßstabe.

Unter den von diesem Lande zur Ausstellung gebrachten Werken dieser Gattungsind ein Bacchus in Marmor von N encini in Florenz (Nr. 115.), eine Psyche vonP. Freccia, Florenz (Nr. 117.), ebenfalls in Marmor, und ein sterbender Gladiatorvon Costoli (ohne Nummer) in demselben Material, zwar nicht ohne Verdienst,aber doch, im Vergleich zu dem großen Namen ToSkana's in der Kunst, immer vonuntergeordnetem Werthe. Alle Drei haben eine ehrenvolle Erwähnung erhalten.

b. Skulptur im kleinen Maßstabe.

Ein Schrank und ein Schmuckkästchen von Barbetti aus Siena (Nr. 91.),welche die Jury der Klaffe XXVI. mit der Preismedaille belohnt hat, find durchGeschmack und Arbeit zu treffliche Werke der reichsten Knnstweise des 16. Jahrhun-derts, von den Italienern Cinquecento genannt, als daß sie hier unerwähnt bleibendürften.