tz. 182. Vorschlag zur Verwendung des Ausstellungsfonds. 75Z
Produkten einzuwirken gestrebt, als in England, wo der Ueberfluß jener Hülfsmittelder Arbeit einen Aufschwung gab und viel praktische Erfahrung schuf. Mau kamschon früher zu der Ueberzeugung, daß die Anwendung der Wissenschaft und Kunstauf die Produktion in gewissem Maaße der Billigkeit der Rohstoffe das Gleichgewichtstalten kann, daß bei der vermehrten Leichtigkeit der Fortschaffung die eigene Gewin-nung dieser Fabrikationöstoffe von geringerer Bedeutung ist, daß man sich auch diepraktischen Erfahrungen anderer Nationen jetzt leichter aneignen kann und daß folg-lich i»> Laufe der Zeit die industrielle Mitwcrbung sich mehr in eine solche verwan-deln dürfte, wobei es auf die sparsamste Nutzbarmachung der Naturkräfte ankommt.
Behufs Projektirung des neuen Instituts bereiste Dr. Playfair im August 1852die Gewerbeschulen der vorgenannten Länder; er berichtete außerordentlich empfehlendüber dieselben und die Kommission trat ihm init derBemerkung bei: »Der beste Beweisihrer Nützlichkeit in Bezug auf Produktion ist, daß das Verlangen der Gewerbtrei-bcnden nach den in den Instituten erzogenen Schülern sich fortwährend vermehrtund in Folge davon die Zahl der Schüler überall zunimmt. Man hat berechnet,daß in Deutschland allein l3,000 Jünglinge jährlich die höhere technische und wis-senschaftliche Ausbildung der Gewerbeschulen und polytechnischen Institute erhalten,während mehr als 30,000 Arbeitern die Grundlagen der technischen Wissenschaftenund der Zeichen- und Modellirkunst systematisch in solchen Schulen beigebracht werden,die ihnen die Belehrung in ihren Mußestunden mittheile». Außer den jetzt durchganz Deutschland zerstreuten Gewerbeschule» sind in fast allen Deutschen Hauptstädtengrößere, als industrielle Universitäten anzusehende Institute errichtet. Abgesehen voneinigen Unterschieden in ihren Lehrplänen, kommen sie alle in dem Zwecke überein,die Grundsätze der Wissenschaft und Kunst, von welchen die Produktion abhängt, zulehren und die Natur und Eigenthümlichkeit der technischen Prozesse vollständigzu erklären, die praktische Ausbildung dagegen für die Werkstatt oder die Fabrik vor-zubehalten. Sie lehren den ^Zögling, wie er ein intelligenter Fabrikant werdenkann, ohne ihn in der Anstalt schon dazu machen zu wollen. In diesen höherenSchulen werden die Elementarkenntniffe selten gelehrt, da der eintretende Schüler sieschon vorher besitzen muß und da der Lehrkursus der Anwendung dieser Kenntnissegewidmet ist. Man hält diese technischen Schulen für so wesentlich für die Fort-schritte der Industrie, daß selbst kleinere Staate» wie das Großherzogthum Badensie mit großen Kosten unterhalten. So unterrichtet die polytechnische Schule zuKarlsruhe i» einem großen, bequemen Gebäude mit Benutzung mannigfacher Museen,Laboratorien und Werkstätten 330 Schüler mit Hülfe von nicht weniger als 4> Pro-fessoren und Lehrern."
Was Frankreich betrifft, so wurde darauf hingewiesen, daß die Lcole Oentraleeles -Lrts kt älsnukaetnres in Paris , ein durch Privatfonds errichtetes Institut, mitbcdentendem Erfolge jährlich 300 Zöglinge in den höchste» Zweigen der angewende-ten Wissenschaft und Kunst erziehe und ihr Einfluß auf die Industrie für so wichtiggehalten werde, daß die Regierung und die Generalräthe von 29 DepartementsFonds bewilligt habe», um daselbst arme Zöglinge von außergewöhnlichen Talentenzu erziehen. Die Schüler dieser Anstalt finden sofort nach ihrem Abgänge Beschäf-tigung, und'schon 500 von ihnen behaupten wichtige Stellungen in fast allen Thei-len der Welt. Die Schule ist jetzt zu klein geworden für die Anforderungen derFranzösischen Industrie und ihre Erweiterung wird schon in Ueberlegung gezogen.
Der Bericht des Dr. Playfair enthält weitere Nachrichten über die industriel-len Institute jener Länder, sowohl in Betreff der Belehrung der mittleren Klaffender Gewerbtreibenden wie der höhere» Techniker, und bemerkt, daß die Vermehrungder Schüler sowohl wie die Schnelligkeit, mit der sie Beschäftigung erhalten, genü-gende» Beweis für ihren Einfluß auf die Industrie liefern, so wie auch die Darle-
III. 48