§. 186. Allgemeiner Charakter der Haupt-Industrien. 781
lichcn Wirkungen des feinen Geschmacks treten in allen Darstellungsweiscnbis zur einfachsten weißen Vase hervor: Formen, Styl, Malerei, Ver-goldung , alles in Glanz und vollkommener Uebereinstimmung. Die Ge-säße, ganz besonders die von Sevres , sind sämmtlich von der feinstenForm. Während die aus den anderen Fabriken des Festlandes mehroder weniger mit den schon lange angewandten übereinkommen, folgendie von Sevres den Formen der schönsten Vorbilder aus allen Zeiten.Sowohl die Griechischen und Etrurischen, als die Römischen und Mittel-alterlichen , wie auch die Renaissance- und Barockformen finden sich aufdas geistvollste benutzt, und eben so erscheinen die feinen Formen desOrients, insbesondere Indiens, Persienö und Japans in schöner An-wendung.
Aber nicht allein die Formen, sondern auch die Verzierungöweisenwechseln eben so mannigfaltig ab, und es ist interessant, die Porzellan-Malerei selbst in den Charakter der verwandten Majoliken und der Canaillenvon Limoges eingehen zu sehen. Es sind dies die geistvollsten Produk-tionen, indem sie das eigenthümlich Schöne, welches durch diese Artender Technik bedingt wurde, in einem weit vollkommeneren Material ausdas reizendste wiederzugeben wußten, so an den hohen Vasen und derGalatea - Schale. Nicht minder prächtig waren auch die schlankenBasen mit prachtvollen Blumen in modernem Styl, die ähnlichen vongrünlicher Färbung in Art des Tschingniu, so wie endlich die großenTafelgemälde, Portraits, historische Landschaften und Genres den Ori-ginal - Meisterwerken entsprachen.
Die Gruppe der Holz-, Steinpappe- und gemischtenWaaren trug ebenfalls einen glänzenden Charakter: man sah Möbelund Ornamente von vollendeter Arbeit, von höchster, dem Gebiet derPlastik angehörender Schönheit.
Weniger vollständig waren hier die Bedürfnisse des Massenver-brauchs und des Handels ausgestellt. ES trat hervor, daß in Englandund auch in den meisten Staaten des Kontinents zwar bedeutende Fort-schritte in der Ausschmückung der Lurusmöbcl und feinen Holzarbeiten,weniger aber in der Konstruktion und Ausstattung der gewöhnlichen Hauö-geräthe stattgefunden. Es stellt sich für die zahlreichen Werkstätten undArbeiter solcher Gcräthe das Bedürfniß heraus, daß sie der Fortschrittejener ausgezeichneten, mehr dem Gebiete der Kunst- und Lurusproduktionangehörigen Etablissements durch die Vermittelung von Zcichnenschulcn,Vorbildersammlungen und Hülssanstalten theilhaftig werden.
So wie für das gründliche Studium einzelner Fächer die Ver-glcichung der mitausgestclltcn Rohstoffe von großem Nutzen war, sohat sich auch der bei dieser Ausstellung leitende Gedanke, die bildendeKunst, welcher die Formen und Muster zur Schmückung der Gewerbs-Erzeugnisse entnommen werden müssen, in ihren eigenthümlichen Werken