Siebentes Kapitel. Die Congresse.
209
tz. 6.
Congreß zu Soissons Traktat von Sevilla. ZweiterWiener-Friede
Spanien, in seinen Hoffnungen getäuscht, nabm die PariserPräliminarien mit verhaltenem Unwillen an, durch die Traktatenzu Wien und zu Pardo , wodurch der Waffenstillstand all-gemein ward. Bald nachher versammelte sich der Congreß zuSoissons, um nachzuholen, was jener zu Cambray versäumthatte, und um das Friedenswcrk zu vollenden. Es erschienen dar-auf abermal die Gesandten säst aller europäischen Mächte; jenevon Frankreich, von England, von Holland, von Oest-reich, von Spanien, von Rußland und von den meisten ita-lischen Staaten. Eine so hehre Versammlung schien berufen undgeeignet, den Frieden Europa's auf einer unerschütterlichen Grund-lage zu erbauen.
Aber ein Congreß, wenn nicht der Kanonendonner die Zögern-den schreckt, oder wenn nicht ein gemeinsames großes Interesse,eine gemeinschaftliche Leidenschaft, Furcht oder Verblendung dieTheilnehmenden beherrscht, ist ein unbehilfliches Werkzeug zu irgendeinem Baue. Allzuleicht werden seine Muhen vereitelt durch Lang-samkeit, Mißtrauen, Selbstsucht oder Arglist. Dem Congreß zuSoissons widerfuhr, was jenem von Cambray; erwardunnüzdurch ein vereinzeltes Uebercinkommniß Spaniens, diesmal mitFrankreich und Großbrittannien, so wie damals mit demKaiser.
In einem besondern Traktat zu Sevilla °) erhielt nämlichSpanien von Frankreich, mit welchem es bereits seit der Verab-schiedung des Herzogs von Bourbon wieder ausgesöhnt war, undvon England, welches dem Kaiser zürnte, nicht blos die erneuteZusicheruug der für Don Carlos begehrten italischen Län-der, sondern auch die Bewilligung, dieselben alsogleich mit 6000Mann spanischer Truppen besczcn zu dürfen. Auch Hollandtrat diesem Traktate bei, die völlige Aufhebung der Osteude'schenKompagnie sich ausbedingend. — Jezt ging der Congreß auseinander.
t) I7.'8, 13. Jänner und 9. März.». Rotteck Sesch. 8r Bd.
2) 1729, 9. Nvv.14