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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
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Briefe an Sanftesten.

find, eben mehrere vorzügliche Menschen umuns her zu versammeln, nichts weniger als hin-reichend; sondern die Kenntniß der im Guten oderBösen ausgezeichneten Charaktere in der Geschichteist auch hiezu nothwendig. Sie ist es nicht bloß,um uns zu lehren, wie wir Andere beurtheilenund benützen sollen, sondern auch zu eigner Bil-dung, die jetzt weit mannichfaltiger, als vorhin,seyn muß. Denn von dem Hauptgrundsatz wirstdu, denke ich, ausgehen: daß dein Sohn trachtenmuß, zu so vielerlei Dingen und in somancherlei Lagen, als nur immer mög-lich ist, geschickt zn seyn, und indem erAndere in den Fall setzt, seiner Geschicklichkeit znbedürfen, selbst möglichst wenige Bedürf-nisse zu haben. Er soll so fähig werden, alsein großer Senator den Staat zn leiten, oder aneinem neuen Murten - oder Laupentag durch Gei-stesgegenwart ihn zu retten, wie, wenn es seynmuß, ein glücklicheres Valeires am Ohio zu grün-den; er soll sich zu dem Regenten bilden, der wieWattcwyl oben an der Kreuzgasse mit dem nie ge-sunkenen Panier und dem nie verwirrten Blick denAuflauf der Baursame niederschrecke, und zu demwsisen und guten Manne, dem alle Eidgenossenin den Tod fürs Vaterland, ohne Wahl, aus Ver-trauen und Liebe folgen, mit dem der Alpenhirt,wie vor Alters aus Westfriesen, in unbekannte Län-der freudig ziehe. Nun redncirt sich deine Fragedahin, wie er durch die Geschichte zu allem demsich bilden könne?

Unterscheide die Vorbereitung und das Studium,das Gerüste, die Charpente und den Tempel selbst.Letzterer ist ohne jenes unzugänglich, so viel manauch darüber schwätzt; andererseits haben zu vieleGelehrte mit jenem sich begnügt, und allenfalls