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Johannes von Müllers Briefe an Carl Victor von Bonstetten III : geschrieben vom Jahr 1773 bis 1809 ; Briefe an Herrn Charles Bonnet : Briefe an Freunde 1 / herausgegeben von Friederika Brun
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Briefe an Bonstetten.

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das Propyläum für das Heiligthum genommen.Man muß vor allrn Dingen ein gutes, mit Chro-nologie und Geographie verbundenes System derHistorie ins Gedächtniß fassen, und es ist gut, in-dessen von der Anwendung noch nicht viel zu sagen;es würde an dem nothwendig trockenen Vorberei-tungsstudium den Geschmack benehmen; diesen zuerhalten und jene vorzubereiten, kann man gleich-wohl dem Knaben früh ein paar vorzügliche Lese-bücher lassen. Ich sage, ein Paar, weil nichtsnothwendiger ist, als daß er wenig lese, alles abersich tief eingrabe. Außer ; 6 Büchern überhauptsollten ihm alle andern Vorboten, das Hergebeneines andern eine erbetene, verdiente Belohnungfür ihn seyn. Ja kein Reichthum von Kennt-nissen! Er wird ihn oberflächlich, d. i. zum Halb-kopf machen; zuerst muß man in die Tiefearbeiten.

Ebe wir auf die Frage kommen, was für einBuch er für die Historie nehmen soll, möchte ichnoch über die Schlüssel zu allem, die Sprachen,etwas bemerken. Es scheint mir wesentlich, daßer genug Latein und Griechisch lerne, um dieAlten geläufig zu lesen; sie bleiben für die Bildungdes Verstandes, wie des Geschmacks, und für dieErregung ächten Gemeingeistes und edler Thätig-keit immer die ersten und größten Meister. Wersie nur durch Dolmetscher kennt, wird nie ihrHausfreund; es sind aber die Griechen den Latei-nern, wie die Originalien den besten Copien, undbesonders jetzt, vorzuziehen, wo die Geschichte repu-blicanischer Stürme neues Interesse erhält. Erlerne daher seinen Virgil und Homer, seine Cy-rvpädie und seinen Cornelius recht gut.

Was das Buch betrifft, woraus er die Geschichtelernen soll, da gestehe ich meinen großen Embarras.