106
Brief« an Bonstetten.
eines bessern werden: ich merke, daß man ein-lenkt, ich finde manches Billige, Vaterländische inden Beschlüssen. Man ist dieses den Deputirtenaus den Alpen schuldig, welche, als gewohnt vordem Volk zu reden, und Leute von eigenthümli-cher Kraft, in beiden Räthen Uebergewicht bekom-men. Wenn vollends die Centralregierung zuLucern, zwischen den Waldstätten und Entlibuchseyn wird! Es ist in der Schweiz eine Armuth,welche keine solche Schwelgerei in Tollheiten, wiein Frankreich, gestattet, und es ist in dem Na-tivnalcharakter ein gesunder Verstand, welcher we-niger, oder nie so lang, durch Worte zu täuschenist. Was geschehen ist, war wirklich kaum auszu-weichen; aber es hätte ein großer Mann die alteEidgenossenschaft über ihre unbehülflichen Formenemporschwingen müssen. Dieß Geschlecht ist aus-gestorben: die Zeit ist groß, große Männer sindnie seltner gewesen (besonders bei der Partei,welche nur erhalten möchte, und gegen denEnthusiasmus kämpft).
Weißt du die Geschichte des Weibels von Frau-brunnen ? Er war reich, ordentlich, still, aber alsAusschuß für das Vaterland ein mannhafter Red-ner. Abends vor der Schlacht lm Grauholz kom-men zwei Berner zu ihm; finden ihn von seinerFamilie umgeben, kniend, in feuervollem Gebet(das er selbst gemacht hatte). Dann stand er auf,nahm seinen ältesten Sohn und dessen Frau mitden Bernern in die Kammer, trug vor, nun zuschwören, den letzten Tag der Freiheit Berns nichtzu überleben. Sie schwuren; auch einer der Ber-ner. Nach der Schlacht wurde der Weibel mitSohn, Sohnsfrau und dem Berner todt gefunden.
Der edle Varicourt war bei wir; ein treffli-cher Mensch, ein Mann. Er liebt dich; wir re-