228
Briefe an Bonstetten.
subornirt, und nachdem der geglaubte Freundmein argloses Herz durch jene Hoffnungen gefes-selt, Assignationen auf mich untergeschoben, dieich aus geglaubte Bitte des mir alles gebendenfreudig bezahlt, und wodurch ich gegenwärtigmich ruinirt und in den größten Verlegenheitenbefinde. *) Willst auch du den Stein aufheben,daß ich srjähriger noch jugendlich gläubig anMenschheit und Liebe war? daß, da meinen Kräf-ten so freier Spielraum geboten schien, ich dar-nach so gierig haschte? Mit Rosen bestreute dieedle Freundschaft den Mai 177Z; dreißig Jahrenach demselben vernichtet mich, daß ich an Freund-schaft noch geglaubt. Vernichtet! das Wort istnicht übertrieben: denn hin sind nicht allein dieAussichten und Hoffnungen, sondern angeschmie-det ist mein (wohl nicht mehr langes) Leben auängstliche Sparsamkeit und unbefriedigende Arbei-ten, zu Zahlung der Schulden. UnbefriedigendeArbeiten, sage ich, weil, da sie keine andern seyndürfen, als welche die österreichische Censur passi-ren läßt, an Früchte jener unserer Jugendblüthe,an Kinder desGenie's und der Liebe, nicht mehrgedacht werden darf. Da dem also ist, so siehstdu, lieber Bonstetten, das wenige Interesse länge-ren Lebens für mich; was soll es mir? was An-dern? Ich bin nicht mehr, seit ich sehe, daß ichder ich sollte und möchte, nicht mehr seyn kann.Es redet hier nicht jener augenblickliche Schmerz,der meine angegriffene Organisation täglich einpaarmal erschüttert und sich dann in bittere Thrä-
*) Es scheint ein ganzes Bureau von Spitzbuben ge-wesen zu seyn, welche mehrere Personen betrogenhaden. §• Br>