Zu jener Epoche der Kunst, als sie bereits über die Kind-heit hinaus, aber bei Weitem noch nicht ausgebildet war,erblickte Brunelleschi das Licht der Welt. Er stammte auseiner alten Familie zu Florenz , welche einige Männer zählte,die sich ruhmvoll in den Wissenschaften ausgezeichnet, undAndere, welche einen ehrenvollen Beruf verfolgt. Sem Vater,Ser Brunellesco di Lippo-Lapi war Notarius; er gab demNeugebornen den Namen seines Urgroßvaters Philipp.
Der junge Philipp wurde frühzeitig für den Stand seinesVaters oder zu dem seines Urgroßvaters bestimmt, welcher Arztwar. Man ließ ihn von seiner ersten Jugend an in allen Kennt-nissen unterrichten, die zu dem einen oder andern Standeerforderlich schienen. Aber das Studium der schönen Wissen-schaften, das er mit Eifer betrieb und welches nicht wenig zurEntwickelung seiner Geistesfähigkeiten beitrug, gab ihnen zugleicheine Richtung, die den Wünschen und Hoffnungen seines Vatersentgegen war. Eine natürliche Anlage zu allen Dingen, dieeine gewisse Fertigkeit erfordern, eine seltene und frühzeitigeGeschicklichkeit in Handarbeiten waren die unzweideutigsten Kenn-zeigen, welche seinen künftigen Beruf verkündigten. Ser Bru-nellesco sah nicht ohne Mißvergnügen seine Projekte vereitelt;indessen wollte er der Neigung seines Sohnes sich nicht wider-setzen und brachte ihn zu einem Goldarbeiter in die Lehre.
Die Goldarbeiterkunst war damals in Florenz etwas ganzAnderes, als was sie bei uns und in unserer Zeit zu seynpflegt. Sie knüpfte sich damals durch ihr mannigfaltiges Ver-fahren, so wie durch die Anzahl, Größe und Beschaffenheitihrer Werke innigst an die zeichnenden Künste und war, lautder Geschichte jener Zeit, besonders die Lehre und Schule derBildhauerkunst. Indem hier der junge Brunelleschi sich den-jenigen Arbeiten widmete, welche den kommerziellen Theil derMetallarbeiten ausmachen, betrachtete er dieselben blos alsMittel zur Ausführung von Werken des Genies.