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Bramante.
neuem Geschmacke überträgt. Dadurch wird auch jene Mager-keit und Trockenheit erklärlich, die man besonders an demPalaste Sora bei Nuovs bemerkt, den man mit
ziemlichem Grunde für eines der ersten Werke Bramante's hält.Er wurde im Jahre 1504 aufgeführt. Diese große Construk-tion steht weder in dem Ganzen ihrer Anlage, die im Allge-meinen sehr gut ausgedacht, noch in dem Verhältniß und derUebereinstimmung der Theile, seinen übrigen Werken nach;desto mehr aber unterscheidet sie sich von denselben durch diekleinlichen Details der Fenster, durch die Magerkeit der kleinenPilaster ihrer Einfassungen, durch eine Ausführung, die füreine so große Masse nicht Vorsprung und Kraft genug hat.
Diese kritischen Bemerkungen sind auch mehr oder wenigerauf den ehemaligen Palast des Königs von England (seitdemPalast Giraud) in der Straße Lor^o lVuovo anwendbar,welcher im Jahre 1503 angefangen, aber erst mehrere Jahrehernach vollendet wurde. Was die Gesammtheit und die De-tails seiner Anordnung bildet, ist, wenn man so sagen darf,zu flach-erhabene Arbeit (trop cke lE-reliok); darunterverstehe ich, daß das Simswerk der ersten Etage, z. B. diebeiden Pilasterordnungen, welche die Fa^ade zieren, so wiedas Gesims, und seine Profile durch ihren geringen Vorsprungeinen gleichgültigen Anblick gewähren, daß die Ausführung jenerFülle entbehrt, welche ebenfalls ein Reichthum ist. Da indes-sen die Worte, deren man sich bedient, um die Eindrücke derKunstwerke zu charakterisiern, nicht vermögend sind, die Schat-tirungen des Effekts und des Werths, deren Verschiedenheitdie Augen allein unterscheiden und bestimmen können, mit dererforderlichen Genauigkeit zu beschreiben und wiederzugeben, somuß man sich hüten, unsere Ausdrücke in einem zu absolutenSinne zu nehmen. Wir wollen dadurch in dem Style Bra-mante's nur eine übertriebene Reinheit bezeichnen, welche beiihm weniger von seinem eigenen Geschmacke, als von dem