122 Baltassarre Peruzzi.
man weiß, wie viele Stufen jede Nachahmung zu ersteigenhat, ehe sie ihr höchstes Ziel erreicht. Aber es gibt auch eineArt von Nachahmung, welche nur eine neue Combination vonmehreren ist, und es bedarf hierzu nur eines Mannes, derjedes ihrer Verfahren ftudirt und die verschiedenen Talentehierzu besitzt. Man sah damals, wie durch einen Zauberschlag,plötzlich eine neue, ganz ausgebildete Kunst erscheinen, derenDaseyn man nicht geahnet.
Diese Bemerkungen waren nothwendig, um zu erklären,wie Balthasar Peruzzi, der Erste unter den Neueren, welcherTheaterdecorationen gemalt, vielleicht der Geschickteste in dieserArt gewesen. Er war Maler, Architekt, ein großer Perspek-tiv- und Architektur-Maler und Zeichner. Was bedurfte esmehr, um aus ihm einen großen Theaterdecvrateur zu machen?Nur einer Gelegenheit. Und diese bot sich in den Festen dar,welche Julian von Mcdicis zu Ehren gegeben wurden.
Vasari spricht an zwei Orten von den Dekorationen Pc-ruzzi's, zunächst bei Gelegenheit der eben erwähnten Feste unddann bei Anlaß der Comödie des Bibiena , betitelt
welche Leo X. in seiner Gegenwart aufführen ließ, welchesglauben läßt, daß dieser Künstler mehr als eine Gelegenheitgehabt, sich in dieser Kunst zu üben; aber allenthalben sprichter mit jenem Enthusiasmus, welchen die Vollkommenheit, zuder es Peruzzi in derselben gebracht, allein in einem so gutenKunstrichter zu erregen vermocht»
„Balthasar, sagt Vasari , erwarb sich durch seine Theater-decorationen um so mehr Ehre, als diese Kunst, da dasTalent und der Geschmack dramatischer Poesie und Vorstel-lungen außer Gewohnheit gekommen, ganz unbekannt war.Obgleich aber die in Rede stehenden Decorationen die Ersten,so waren sie nichts desto weniger das Muster und die Vor-schrift aller derjenigen, welche seither gemalt wurden. Es istbeinahe unbegreiflich, mit welcher Geschicklichkeit unser Decora-