Band 
Erster Band.
JPEG-Download
 

128 Baltassarre Peruzzi.

Ausführung kam, bleibt er demungeachtet eine der schönstenErfindungen der Architekten jener Epoche.

Peruzzi legte durch denselben den Beweis ab, daß seinGenie der höchsten Ideen der Architektur fähig, und daßderjenige, welcher den Plan Bramante's auf eine solcheWeise zu modifiziern wußte, wohl auch im -Stande war,sein Nachfolger zu werden. Allein, sei es, daß das Glückgroßer Talente in der Architektur von einem gewissen Zusam-mentreffen von Umständen abhängt, oder daß große Talenteeiner gewissen Kunst bedürfen, ihr Glück zu machen: einerKunst, welche der schüchterne und zurückhaltende CharakterPeruzzi's, ihn nicht zu lernen erlaubte; genug, der Bauder St. Peterskirche ging unter seiner unentschlossenen Leitungnur einen sehr langsamen, schleppenden Gang. Ungeachtetder Protektion mehrerer hohen Personen, die sein Verdienstzu würdigen wußten, bediente man sich seiner vorzugsweisezu kleineren Werken, das heißt, zu der Construktion vonPalästen, an denen indessen nichts klein ist, als der Um-fang ihrer Masse und ihre Oberfläche.

Man weiß, daß es in der Architektur eine Art vonGröße gibt, die weder nach dem Zirkel, noch nach demMaaße gewürdigt werden kann. Eine Schöpfung des Genie's,erkennt sie keinen andern Richter, als den Geschmack. Derwahre Kenner wird vor manchen Palästen, die einen Flächen-raum von mehreren Morgen in sich schließen, vorübergehen,ohne daß sie den geringsten Eindruck auf ihn machen; aberer wird sich bei dem Anblick der herrlichen Fahnden, womitBalthaser Peruzzi verschiedene bescheidenere Wohnungen ge-ziert , unwillkührlich angehalten fühlen. Diese elegantenMassen, wahre Muster derjenigen Art, welche für die meistenHauseigenthümer schicklich, werden immer ein Gegenstandder Studien desjenigen bleiben, welcher den Geschmack derArchitektur auch bei den minder reichen Klassen der Gesell-