Band 
Erster Band.
JPEG-Download
 

162

Sän Micheli.

Beispiele zu benutzen gewußt, die ihm zu Rom und Florenz die Meister dargeboten, die ihm vorhergegangen, er seinerseitsin seinem Vaterlande vielleicht als das Muster, ganz gewißaber als der Vorläufer jener großen Künstler angesehen wer-den muß, die in der Folge die berühmte Venetianische Schuleder Architektur gebildet.

Man kann nicht zweifeln, daß Sän Micheli seine Kunstin den schönen und edlen Anordnungen der Paläste studirt,welche vor ihm aufgeführt worden, und daß er jene glücklicheAnwendung der alterthümlichen Architektur, jene große Art ein-facher, imposanter und mannichfaltiger Massen, welche bis jetztnoch die vollkommensten Muster der Kunst der Alten geblieben,den neueren Wohnhäusern angeeignet. Aber wenn er seineVorgänger nachgeahmt, so that er dieß als ein Mann, derselbst Original blieb und dem nichts fehlte, als daß er vordenen gekommen, denen er gefolgt zu seyn scheint. Es folgtenihm auch Andere, die ihrerseits ebenfalls das seltene Glückhatten, Vorbilder geworden zu seyn. Einige unter ihnen, undbesonders Palladio, konnten sich durch mannichfaltigerc undzahlreichere Plane, durch sinnreichere und elegantere Composi-tionen auszeichnen; aber dem Sän Micheli wird in seinem Vater-lande Niemand die Ehre streitig machen, zuerst den schönenStyl der Civil-Architektur eingeführt zu haben.

Der Palast Canossa zu Verona wird von Maffei wegender Bequemlichkeit seiner innern Einthcilung gerühmt. SeineFa^ade trägt vielleicht den Fehler einer Einthcilung in zweian Höhe einander allzugleiche Theile, wie das mit Bossagegezierte Erdgeschoß und die Etage, welche die Hauptverzierungenthält. Wir fügen sogar hinzu, daß der Untersatz, den manals Träger betrachten muß, höher ist, als das, was er trägt.Die Pfeiler zwischen den gebogenen Fenstern der Hauptetageziert eine Ordnung gekuppelter korinthischer Pilaster, welcheauch die Fenster der über derselben befindlichen Attika theilt.