Band 
Erster Band.
JPEG-Download
 

160

Sän Michcli.

mit Vasari zunächst den berühmten Palast Soranzo zu CastelFranco zwischen Padua und Treviso auf Venetianischem Ge-biete, den man für eines der größten, schönsten und bequemstenLandhäuser hält, in einer Gegend, die mit Gebäuden über-säet ist, welche an den Luxus und den Reichthum der altenPatrizier Roms erinnern.

Die aristokratische Regierungsform ist nicht die günstigstefür jene großen Bauunternehmungen, auf deren Idee die Machtder Monarchien allein verfallen und sie allein nur ausführenkann; aber keine bietet der Architektur der Paläste, so wohlin den Städten als auf dem Lande mehr Gelegenheit zu Ge-bäuden dar, welche dem, den patrizischen Familien angemesse-nen, Grade von Größe ohne Prahlerei, von Reichthum ohnePrunk entsprechen. Auch haben unter einer solchen Regierungdie ausgezeichneten Familien das meiste Interesse, ihre Existenzzu verewigen; und die Paläste, an die sich ihr Name knüpft,sind natürlich die Denkmäler, welche für diesen lobenswürdigenEhrgeiz am meisten geeignet. Es ist unbeschreiblich, was inItalien die neuere ^Architektur einem politischen Prinzip zuverdanken hat, dessen Einfluß wir eben begreiflich gemacht.Vielleicht möchten auch die in den Ideen und Sitten unsererjetzigen Zeit eingetretenen Veränderungen genügen, uns denZustand von Aermlichkcit und Filzigkeit zu erklären, in welchemnicht die Talente des Architekten, sondern die Mittel der Ar-chitektur sich in unseren Tagen allenthalben versetzt finden.

Unter allen Staaten Italiens ist vielleicht Venedig derje-nige, in welchem sich der Einfluß des politischen Prinzipsder Aristokratie auf die Architektur am augenscheinlichsten ent-wickelt. Sän Micheli hat dort in mehr als einem PalasteDenkmäler seines Talents und eines, speziell auf Wohnhäuserangewendeten, Baugeschmacks hinterlassen, von welchem er dortdie ersten Muster gegeben zu haben scheint, welche seitdem^von Paladio so gut befolgt und selbst noch übertroffen wurden.