Band 
Erster Band.
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Julius Romanus.

die Geschichte wie für das Studium der Kunst gleich kost-baren Werke, geliefert haben würde.

Die Zeichnung der Fa^ade der großen Kirche von 8ankt-lroulo zu Bologna von Julius Romanus wurde seinerZeit allen Jenen vorgezogen, welche die berühmtesten seinerZeitgenossen hierüber entworfen. Nach seinem Aufrisse solltedie Vorderseite nur eine einzige Säulenordnung, aber voneinem kolossalen Maaße erhalten. Man bewundert an derselbenden Geist, mit welchem der Künstler zwischem dem Geschmackeder Griechischen Architektur und dem des Gebäudes, welchergothisch ist, den Mittelweg zu treffen gewußt. Nichts ist inder That ungereimter, als jene modernen Vorderseiten anGebäuden eines andern Zeitalters, welche nichts als lauterMißstände hervorbringen können.

Herzog Friedrich Gonzaga starb im Jahre 1540, nach-dem er Julius Romanus mit Gütern und Ehren überhäuft:eine schwache Entschädigung für den Schmerz, welchen diesemKünstler der Verlust eines Fürsten verursacht, der seine Ta-lente geehrt, und dessen Freund er geworden. Mit vielerMühe brachte ihn der Bruder des verstorbenen Herzogs,der Kardinal Gonzaga von dem Vorhaben ab, nach Rom zurückzukehren. Erst nachdem er ihn mit neuen Gunstbe-zeigungen überhäuft, das heißt, mit neuen Werken beauf-tragt, gelang es ihm, ihn zurückzuhalten. Diesem glücklichenZwange verdankte Mantua den Fortgang der Arbeiten anseiner Kathedralkirche, welche indessen dennoch erst nach ihm,von seinem Schüler Bertano beendigt wurde.

Aber ein neues Ereigniß erweckte bald wieder in JuliusRomanus den nur schlecht unterdrückten, insgeheim immernoch genährten Wunsch, in die Hauptstadt der Künste zu-rückzukehren. Der Tod Sansovino's, des Architekten derSt. Peterskirche, und das Bedürftiiß eines würdigen Nach-folgers ließen alle Blicke sich auf ihn richten und er wurde