Band 
Erster Band.
JPEG-Download
 

220

Michel Angelo Bonaroti.

Grabmals Julius II. zu bestimmen. Der Papst fühlte plötz-lich einen andern Ehrgeiz in sich erwachen: er wollte der Stifterder neuen Basilika werden. Bramante , sein Lieblingsarchitekthütete sich wohl eine solche Leidenschaft erkalten zu lassen. Eingewandter Hofmann, gab er demselben zu verstehen, daß dasProjekt, sein Grabmal bei seinen Lebzeiten aufzuführen, vonübler Vorbedeutung sei. Diese Insinuationen thaten nach undnach ihre Wirkung. Der Papst vernachlässigte allmählig dieUnternehmung seines Grabmals und in Folge dessen auch den-jenigen, den er damit beauftragt hatte. Er hörte auf, denKünstler mit Geld zu unterstützen und ihm die Audienzen zubewilligen, die er ihm vorher mit dem größten Wohlwollengestattet

Michel Angelo , welcher diese Erkaltung wahrnahm, glaubteden überzeugendsten Beweis derselben bei einer Gelegenheit zufinden, wo ihm der Eintritt in das Zimmer des Papstesverweigert wurde. „Wenn Seine Heiligkeit nach mirschicken sollte, sagte er dem Kämmerer, so sagen SieIhr, daß ich nicht mehr hier sei." Als er nach Hausekam, gab er seinen Bedienten Befehl, seine Effekten zu ver-kaufen, und zu ihm nach Florenz zu kommen. Er selbst reisteauf der Stelle ab. Kaum auf dem Toökanischen Gebiete an-gelangt, erhielt er fünf Couriere vom Papste mit den dringen-sten Briefen und sogar mit Befehlen, die ihm einschärften,bei Strafe der Ungnade nach Rom zurückzukehren. AberBitten und Drohungen waren fruchtlos. Man konnte nichtsvon ihm erhalten, als daß er dem Papste schrieb: „Nachdemer auf eine ungeziemende Weise behandelt worden, bäte erSeine Heiligkeit, einen andern Bildhauer zu wählen." Wäh-rend der drei Monate, welche Michel Angelo sich zu Florenz aufhielt, ließ Julius II. drei Breve's voll Drohungen an denSenat ergehen, um ihn zu vermögen, den Flüchtling zu zwin-gen, nach Rom zurückzukehren. Der Senator Soderini , da-