222
Michel Angelo Bonaroti.
verdächtigen. Mit den großen Unternehmungen der St. Pe-terskirche und des Vatikans beauftragt, konnte ihm der unge-heuere Kostenaufwand für ein Grabmal, ein damals so wenigdringendes Werk, natürlich nicht gleichgültig seyn. Als er demPapste vorschlug, den Michel Angelo durch die ihm zu über-tragende Verzierung der Sirtinischen Kapelle zu entschädigen,legte man ihm ebenfalls die Absicht unter, denselben einergefährlichen Vergleichung mit Raphael unterziehen zu wollen.Aber auch dieses läßt sich, wie wir in dem Leben Bramante's gesehen, auf eine andere, Weise erklären. Wie dem indessenauch seyn mag; so sträubte sich Michel Angelo , welcher in denArbeiten der Freskomalerei wenig Erfahrung hatte, lange gegenden Auftrag des Papstes, mußte ihm aber endlich dennochFolge leisten.
Er liess von Florenz mehrere der besten Frescomaler kom-men, um von ihnen das praktische Verfahren dieser Malereizu lernen. Nachdem er von ihren Talenten einen Versuchgemacht, verabschiedete er sie, vernichtete ihre Arbeiten, schloßsich in die Kapelle ein, und gestattete Niemand, wer es auchseyn mochte, den Eintritt. Dieses Geheimhalten steigerte dieallgemeine Neugierde, insbesondere aber die Ungeduld des .Papstes. Kaum war die Hälfte des großen Gewölbes fertig,so ließ er Trotz der inständigsten Bitten Michel Angelo's dieGerüste wegnehmen. In Betreff der Ausführung der andernHälfte scheint Bramante darauf angetragen zu haben, sie demRaphael anzuvertrauen und auf diese Weise beide Talente miteinander in Vergleichung zu bringen. Aber der Papst wolltevon keinem Vorschlage einer Abänderung etwas hören, undMichel Angelo bekam den Auftrag, das von ihm begonneneWerk zu vollenden. Der allgemeine Beifall, den dieses großeUnternehmen erhielt, gewann ihm mehr und mehr die Gunstdes Papstes, welcher ihn mit Beweisen derselben und mitReichthümern überhäufte. Indessen konnte er nie die Erlaubniß