Band 
Erster Band.
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232 Michel Angelo Bonaroti.

bewies. Alle seine Briefe, alle seine Antworten tragen dasGepräge eines tiefen moralischen und religiösen Gefühls

Vasari schilderte ihm die Freude Leonardo's Bonaroti,seines Reffen, über die Geburt eines Sohnes, welcher seinen'Namen fortpflanzen sollte. „Ich sehe nicht ein, antworteteMichel Angelo, daß man sich so sehr über die Geburteines Menschen freuen, noch bei dieser Gelegenheitso viele Feste anstellen soll. Diese Feste und dieseFreude sollte man bis zum Tode eines Mannessparen, welcher wohl gelebt hat."

Papst Paul IV. , welcher die Nacktheit der Figuren indem Gemälde des letzten Gerichts anstößig fand, ließ ihmsagen, er solle sie verschleiern. „Der Papst, antworteteMichel Angelo, kümmere sich nicht so sehr darum, Ge-mälde verbessern zu wollen, welches etwas Leichtesist, aber er sorge ein bischen mehr dafür, die Men-schen zu bessern, was weit weniger leicht ist."

Man machte ihm einst zum Vorwurf, daß er sich nichtverheirathet habe, und keinen direkten Erben seines Namensund seines Talents hinterließe. Eine Frau! sagte er, ichhabe noch zu viel an Einer; dieß ist meine Kunst.Meine Kinder sind meine Werke: diese Nachkom-menschaft genügt mir. Loren^ Ghiberti , fügte er hin-zu, hinterließ ein großes Vermögen und zahlreicheErben. Wüßte man wohl heute, daß er gelebt habe,wenn er nicht die ehernen Pforten der Taufkapellevon St. Johann gemacht? seine Güter sind zerstreut,seine Kinder todt; aber die ehernen Pforten stehnnoch aufrecht."

Er hegte eine besondere Liebe für seinen Diener Urbin.„Was wirst du anfangen, lieber Urbin,.wenn ichtodt seyn werde?" fragte er ihn einst. „Ich werdedann wohl einem Andern dienen müssen," antwortete