230 Friedrichs des Großen Thätigkeit. (3. Buch.
Schuldigkeit, meinen verunglückten Unterthanen wieder aufzuhelfen. Hier-für bin ich da."
Von allen" Verhältnissen seines Reiches war Friedrich II. durchregelmäßige Berichte in Kenntniß gesetzt und gab seinen Behörden Anwei-sungen, wie sie neue Industriezweige einführen sollten und was sie dabeizu beobachten hätten, wie sie das Schulwesen verbessern, Obstbaumschulen,anlegen, die Leibeigenschaft der Bauern aufheben, oder mindestens mildernsollten. Nicht genug ist ihm die Strenge zu danken, mit welcher er denKartoffelbau einführte, da diese billige Frucht schon Millionen vom Hunger-tode gerettet hat. Bei der Bewirthschaftung des Grundvermögens seinesLandes stand ihm der Oberfinanzrath von Brenkenhof eifrig zur Seite,von welchem er selbst öffentlich sagte: „Es gehört unter die Vorzüge mei-ner Regierung, einen Brenkenhof gehabt zu haben." Die Kenntnißdieses niedern Dienstes, in welchem ihm sein biederer Vater und Colbertzum Muster dienten, verdankt Friedrich den Prüsungsjahren in Küstrin.
Von allen Ständen des Volkes begünstigte er keinen mehr, als denAdels st and, indem er demselben die Osficiersstellen seines Heeres be-wahrte und verarmte Rittergutsbesitzer reichlich unterstützte. Sehr wichtigfür diese durch den Krieg völlig herabgekommenen Edelleute wurden zweiCredit-Institute, das ritterschastliche Credit-Institut in Pommern und dieschlesische Landschaft, zu deren Begründung Friedrich das Geld hergab.Den größeren Grundbesitzern war dadurch die Gelegenheit geboten, Ca-pitalien gegen mäßige Zinsen aufzunehmen und allmälig zu tilgen.Der Edelmann verpfändete nämlich sein Gut und stellte eine Schuldver-schreibung darüber aus, welche man P fa n d b r i e se oder Lederbriefe nannte.Für die darin benannten Summen mußte die Gesammtheit der Ritter,Landschaft genannt, haften.
Es scheint diese Begünstigung des Adels mit den Ansichten desKönigs von der natürlichen Gleichheit aller Menschen zu streiten. Unzäh-lige Male hat Friedrich bewiesen, daß er wahres Verdienst über Allesschätzte, und sich über Die lustig gemacht, welche Geist, Talent und Ver-dienst an den Adelstand gebunden glaubten. Einen seiner Freunde machter sogar aufmerksam, daß Tugend und Talent keine Ahnen haben: wereinen Namen besitzen wolle, müsse ihn verdienen. Allein der große Königwollte alle Stände dem Vaterlande nutzbar machen, alle edlenLeidenschas-ten zum Besten der allgemeinen Wohlfahrt verwenden. Die Ehrliebe saher im Adels stände verkörpert, dessen Handwerk seit dem Mittelalterbis ins achtzehnte Jahrhundert hinein, wo Friedrich Wilhelm I. die per-sönlichen Kriegsdienste und die Stellung der Lehnspserde in eine jährlicheGeldabgabe der Verpflichteten verwandelt hatte, der Krieg gewesen war.Friedrich meinte, wenn man dem Adel die Ehrliebe nähme, so bliebe ihmnichts übrig, sich in der Gesellschaft geltend zu machen. Man müsse ihm