Band 
(1500 - 1815)
Entstehung
Seite
245
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7. Kap.)

Kaiser Joseph ll.

24S

narchie doch mehr ein Product geschickter politischer Berechnungen undscharfsinniger Combinationen gewesen ist. Nicht reiche Erbschaften warfFortuna aus ihrem Füllhorn den Hohenzollern zu; sondern was Preußengegenwärtig ist, schuldet es seinen Fürsten, welche mit Preußens Ruhmund Größe stehen und fallen. Ihrer schöpferischen Kraft verdanktdie Monarchie das Dasein; ihr eigenthümlicher Trieb zu unaus-gesetzter Thätigkeit leistet Bürgschaft für die Erhaltung des Staates,dessen Wahlspruch das einzige Wörtlein „Vorwärts" ist. Darum beglei-tete auch die Theilnahme aller deutschen Stämme die Geschichte Preußensvon dem Augenblicke, wo der große Kurfürst die vertriebenen Hugenottenaufnahm und durch den Tag von Fehrbellin seinen Staat zur zweitenGroßmacht Deutschlands erhob, bis zum gegenwärtigen Augenblicke, woPreußen im Rathe der europäischen Großmächte eine geachtete Stellungeinnimmt.

Siebentes Kapitel.

Das Zeitalter Joseph's n. und Katharina's n.

70. Kaiser Joseph II. (1765-1790).

Neben Friedrich glänzte in Deutschland der Kaiser Joseph II.,welcher dem großen Könige nicht nachstehen wollte und, von den Idealenjenes Zeitalters ergriffen, sei» Volk aus der Barbarei des Aberglaubensund drückender Satzungen mit kräftiger Hand zu den Höhen der Huma-nität erheben wollte. Wie Friedrich der Große den jungen Kaiser schätzte,beweisen zwei Aeußerungen, eine briefliche an Voltaire und eine münd-liche zu seinem Adjutanten Rüchel, der sich später als Feldherr aus-gezeichnet hat. „Der Kaiser Joseph, welcher eine große Rolle inEuropa zu spielen sich anschickt, ist an einem bigotten Hose geborenund hat den Aberglauben abgeworfen; ist im Prunke erzogen und hat ein-fache Sitten angenommen; wird mit Weihrauch genährt und ist beschei-den ; glüht vor Ruhmbegierde und opfert seinen Ehrgeiz der kindlichenPflicht auf, die er wirklich äußerst gewissenhaft erfüllt; hat nur Pedantenzu Lehrern gehabt und doch Geschmack genug. Voltaires Werke zu lesenund Ihr Verdienst zu schätzen." — „Das ist ein junger Mann, den ichnicht vergessen darf. , Der Kaiser Joseph hat Kopf, er könnte viel aus-richten. Schade, daß er immer den zweiten Schritt thut, ehe er den erstengethan hat."