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Der nützlichen Hauss- und Veld-Schule erster Theil, in welchem ausführlich enthalten, wie man ein Land-Feld-Guth und Meyerey mit aller Zugehöre ... mit Nutzen anordnen solle : worbey dann auch zugleich eine zur Hausshaltung auf dem Lande nützliche Hauss-Artzney für Menschen und Viehe, samt allerhand raren und vorträglichen Hauss-Künsten, mit sonderbarem Fleiss colligirt ... / und nunmehr mit dem lang-verlangten zweyten Theil, samt darzu gehörigen Figuren und einem vollständigen Register an den Tag gegeben durch Georg Andream Böckler
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Claſſ. XXVI. Von Guͤrteyn. 293

Blaͤtlein aber deß abgeſchnittenen Reiſes ſolle mit Pfropff⸗Wachs uberkleibetwerden.

Nota. Wann man etwas auff ſtarcke Staͤmme pfropffet/ ſo nimmt man dieReiſer beym Jahr/ damit ſie das Drucken des Stammens deſto beſ-ſer leiden moͤgen. Worbey in Acht zu nehmen/ daß ob dem Gleichein Aug ſeye/ welcheß hernach auſſen her gegen dem Spalt gerichtetwerden ſolle; Damit daſſelbige die Nahrung aus dem Stamm de-ſto beſſer anziehen koͤnne.

Will man demnach ein Reiß entweder bey dem Gleich/ oder ſonſten beyeinem Aug nehmen/ ſo muß man mit Zurichtung deſſelbigen nachgehender Ge-ſtalt fleiſſig umgehen:

Bey einem kleinen Pfropff · Stamm iſt es am beſten/ man nehme das Reißbeym Aug/ und unter ſolchem Aug ſchneidet man eines guten Meſſer⸗Ruckenbreit zu beyden Seiten/ jedoch ohne Verletzung/ mit zweyen Winckel⸗rechtenAbſaͤtzen/ und dieſes ohne Beruͤhrung deß Marcks/ eines Gliedes lang herab-waͤrts/ damit alſo das Reiß von beyden Abſaͤtzen deß Einſchneidens herabſchraͤg/ und wie ein dreyeckigter Keil formirt werde; Es ſolle aber das aͤuſſereTheil dicker/ als das innere ſeyn.

Die innere Rinde deß Zweigleins/ mag man hinweg thun/ oder daran laſſen; Die aͤuſſerſte aber muß gantz und unverſehret bleiben/ und ſolle das untereAeuglein gerad auff die Mitte deß Triangels kommen/ wie in der Figur 2.Num. I. bey a. zu ſehen. 1

4·Die Einſetzung deß Pfropff⸗eißleins erfordert ſonderbarenFleiß:

Nemlich/ man ſetzet ſelbige ſolcher Geſtalt auff den abgeſchnittenen Stamm/daß das Aug nechſt den zweyen Abſaͤtzen außwarts komme/ und die Winckelder Abſaͤtze auff beyde Ecken oder Ende deß Stammens kommen/ auch ſollen diebeyde Rinden/ ſo wol deß Pfropff⸗Reiſes/ als des Stammens/ gantz genauauff einander zutreffen und ſchlieſſen/ damit der auffſteigende Safft aus demStammin das Pfropff Reißlein einlieſſen/ und alſo zum Anwachſen befoͤr-dern koͤnne.

Beſtehe die Figur 2. ſub Num. bey cc. und iſt das Pfropff. Reißlein beyb. auff der Seiten anzuſehen.

a. Das Pfropff · Reißlein gegen das Geſicht und außwarts der Seiten desStammens/ wann es eingeſetzet/ zu ſehen.

Nota. Wann man auff ſtarcke und erwachſene Baͤume/ inſ⸗ onderheitauff Birn⸗oder Aepffei⸗Staͤmme pfropffen will/ ſo ſolle man denPfropff⸗Zweig bey dem Jahr oder mit dem Knotten nehmen/ſo kan ſolches den Spalt deß Baumes deſto beſſer vertragen; Esſolle aber zunechſt uͤber dem Knotten ein 9o⸗ ſo

wie