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1 (1834) Die Zeiten der dreizehn Orte / von Joseph Andres
Entstehung
Seite
XIII
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Charakter seiner Zeit zeigt uns Sophokles in seinen Dra-men. Die großen Umrisse blieben zwar seinen Helden/aber sie verloren ihre rohe Größe/ die Leidenschaften wur-den durch ihre Quellen veredelt/ und erschienen daher sei-ner im Ausdruck und harmonischer in der Sprache. DieseStufe der dramatischen Poesie stellte stch wieder in derKunst dar. Die Zeichnung der Figuren wurden flüsstger/das Eckichte der Formen verlor stch/ die gewaltsamenStellungen verschwanden. Es war die mit ernster Größe ver-einte Anmuth und Grazie. Der Jupiter des PhidiaS/welcher Jeden in den Tempel Tretenden mit Schauern/mit Erhebung und Rührung erfüllte/ ist nichts anders alsdas gereinigte/ verklärte Gesehgebungsprinzip des Solon.Um diese gleichsam epischeKunst/ möchte man sagen/ erhob stchin Tempeln/ öffentlichen Plätzen/ Säulengängen und Pro-pyläen/ die Kunst aller Künste/ die dramatisch bildende,die Architektur, aus welcher der Jupiter wie das Haupt,wie das große Aug heraus- und herabsah. Hier die Herr-lichkeit und der Glanz der Künste, dort der Mastcnwaldder Flotte, der Schatz voll des Goldes aus den bezwungenenLanden, lud Athen in dieser Stellung, in Mitte dieses geist-vollen und hehren Glanzes durch eigene dazu versandte Botenalle griechischen Städte zu einem Congrcß und Bundesver-sammlung in demselben ein.*) Aber die Mehrheit der griechi-schen Städte wollten keine Residenz, keine Hauptstadt,keine Oberherrschaft, wie ste damit zu erhalten glaubten,sie wollten nicht Unterthanen werden, sondern wie bisherdie Gleichheit unter allen behaupten; der peloponnestscheKrieg war entschieden, die Parthcien rangirten und stell-ten stch gegen einander auf, der Kampf um innere Frei-heit oder Unterwerfung begann, und endigte nach vielfa-chen unentschiedenen Glückswcchseln, nachdem er durchWaffenstillstände oftmals unterbrochen, .und muthwillig

») GillieS griechische Geschichte.