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1 (1834) Die Zeiten der dreizehn Orte / von Joseph Andres
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ihm unentgeldlich den Vorhang der Götter- und Hclden-spiele aufrollen. ES war eine unbestreitbare Grüße vonihm. Allein auf die Kenntniß der menschlichen Naturwar das nicht berechnet und darum eben so wenig auf dieZukunft, sondern diente lediglich dazu/ um es ihm ver-bunden und gewogen zu halten und seinen Einfluß aufdie Regierung zu sichern. Aber diesem Luxus erlag deratheniensische Volksgeist/ die Sitten wurden verdorben/ein unersättlicher Durst nach immer neuen Genüssen be-mächtigte sich seiner/ es ergab sich nach dem Tode des Pc-rikles Männer»/ die ihm solche versprachen/ die gefähr-lichsten Unternehmungen wurden beschlossen und eben soleichtsinnig ausgeführt. Der Ballast hatte sich aus demSchiffe verloren/ es drehte sich nach allen Winden hin.Die Schlacht/ welche die Niederlage von Athen herbei-führte/ war eine Folge von frechem Ucbcrmuthe/ vongänzlicher und höhnischer Verspottung des spartanischenHeeres. Diesen moralischen und politischen Charakterder Zeit trugen alle übrigen intelligibcln oder geisti-gen Verhältnisse an sich. Wir sehen den Kampf derSophisten/ welche alles läugneten/ eben weil sie al-les bewiesen oder beweisen wollten mit Sokrates/ -eralles auf die alte Lebensweisheit wieder zurückführen woll-te/ nachdem er denselben ein eigenes unsterbliches Dcion/das über alles Irdische emporhebt/ gegeben hatte; wirsehen/ wie das atheniensische Volk den Erstem seinen Bei-fall giebt und dem Letztem den Giftbecher darreicht. Inder bildenden Kunst veränderte sich der Vorwurf und mit-hin auch der Styl; da man das Große und Erhabenenicht begreifen konnte/ so siel man auf das Einzelne undauf das Reizende/ die Grazie der himmlischen Venus ver-schwand/ an ihre Stelle trat jene der Dione/ welchenur den Reiz der Materie in sich schloß. In der dramati-schen Kunst zeigten sich zwei Richtungen; die erste gienglediglich vom bisherigen Großen ab/ bildete den Theil des