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1 (1834) Die Zeiten der dreizehn Orte / von Joseph Andres
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XXVI
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Herrschaft gelangen konnte/ welches Gleichgewicht am Endesich auch bei den Griechen zeigte/ aber erst/ als sie ihrerAuflösung nahe waren. Es war ein Gleichgewicht nichtflehender Kräfte/ wie in Italic»/ sondern abnehmender/die Folge einer allgemeinen Ermattung. Die Republi-ken beider Lande zeichneten sich durch Wissenschaft undKünste aus. Aber wie verschieden waren der Inhaltund die Form? Bei den Griechen waren sie gleich-sam monarchisch/ Athen war das eigentliche Griechenland/hier seine Litteratur/ hier der Brennpunkt und der Tem-pel seines glänzenden innern/ idealen Lebens. In Ita-lien dagegen gab es keine litterarische Hauptstadt. DieElemente/ welche alles Voranschreiten und Unterwerfenverhinderten/ zeigten sich aber auf einer andern Seitedesto vorthcilhafter/ indem sie einen allgemeinen Wettei-fer in allem/ was Kunst und Wissenschaft betraf/ bewirk-ten; sich hier auszuzeichnen/ konnte durch nichts gehindertwerden/ der Reichthum und Stolz konnte hier einen freienvollen Lauf nehmen/ und dieses gelang ihnen; eine solcheMenge herrlicher Städte konnte Griechenland nicht aus-weisen; dieser Wetteifer war ein großartigeres olympischesSpiel/ als die Griechen auszuweisen hatte»/ aber bei ih-nen war indessen doch die Blandusische Quelle der Lite-ratur/ das schaffende Original allein; die Italiener ent-deckten sie/ gruben den Schutt von ihr weg und übertru-gen sie der Nachwelt. Doch sah man an der Pyramideder Tradition die Gestirne von Dante/ Ariosto/ Petrarca/von denen der Erste in seiner ärUn coE-r-» die Strafender Herrschsucht in der Hölle zeigte/ der Andere durchdas zeitlich Unmögliche der Thaten seiner Helden auf daseigentlich wahrhaft Wahre / wahrhaft Natürliche immenschlichen Geiste hinwies/ der Dritte das Geheimnißder Schönheit besang.

*) Bekanntlich wurde Ariost ein Narr genannt.