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ließen -ch die Kaiser verführen, ihre große KriegSgewaltin jenes Land zu bringen, dessen Reichthum und Weh»lossgkcit auf gleiche Weise zu seiner Erorberung reizte,setzten Deutschland, sein Blut und Leben, den schwerenGewinn seines rohen Bodens an den Besitz von Italien;deutsche Kaiser, deutsche Fürsten, deutsche Heere wurdennach einander darin vernichtet, doch nicht durch die Waf-fengewalt der italienischen Völker, sondern durch den süd-lichen Himmel, dem die kalte deutsche Natur erlag. Unddennoch, so vcrhängnißvoll jeder Zug dahin war, wurdeimmer wieder ein neuer dahin unternommen, denn diedeutschen Kaiser/ als Beschützer der römischen Kirche/ wa-ren zugleich Könige von Rom/ und glaubten es nicht wirk-lich und sicher zu seyn, wenn sie nicht zugleich Herrenvon Italien wären. Ja, e§ giengen ihre Blicke noch vielweiter; sie erinnerten sich an die alten Zeiten von Rom,und wie es einmal der Welt gebot, so wollten nun auchdie neuen deutschen Gewalthaber der Welt gebieten. Siesicngen an alle Königreiche zu beunruhigen, maßten sichüber Einige davon und über freie Völker eine Art Ober-hoheit an. Aber während sie sich über alle Throne zu er-heben, alle Völker unter sich zu bringen suchten, verlorensie den Geist, das Wesen und die Macht ihrer eigenenKrone; ihre Basis und Grundlage, ihre ganze gesetzlicheGewalt rollte sich, so zu reden, während ihrer Abwesen-heit in Deutschland, hinter ihnen auf. Es wurde ihnenunmöglich, von Italien aus in dem ganzen weiten Umfangihres Reichs ihre Rechte/ die Ordnung, die Verfassung,die Justiz und den Frieden aufrecht zu halten; ihre Va-sallen und LchnSträgcr, ihre KricgS- und Civilbeamtcn,lernten ihre Gewalt, den Nutzen und Vortheil davon ken-nen, sie wollten sich nicht mehr nach dem Gutdünken undalleinigen Willen des Kaisers ein- und absetzen lassen; siemachten sich nun selbst zu Herren der ihnen übertragenenLande; die Grafen zogen die Grafschaften als ihr Eigen-