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Dieser Krieg, »der vielmehr der durch ihn entstandeneKampf bei St. Zakob, entschied das Schicksal zweierReiche, ja, man darf wohl sagen, die Bildung des neueneuropäischen Staatensystemes. Alle großen und kleinenfranzösischen Fürsten waren vom König von Frankreichbereits unterworfen, ihre Rechte und Gewalt mit derKrone verbunden. Nur Burgund allein stand noch da involler Kraft, mit großen Hülfsquellen, im Glanz, in derMacht eines bisher unerschütterlichen WaffcnruhmS, kühn,keck, herausfordernd, bereit mit Frankreich selbst einenKampf auf Tod und Leben zu wagen, und statt unterzu-gehen, wie andere französische Fürsten, selbst ein großesweites Reich zu gründen. Ludwig XI., welcher an derBirS gesehen, wie fünfzehnhundert Eidgenossen in einemAugenblicke beinahe seine Vorhut von achttausend Mannerschlagen hatten, beschloß den furchtbaren burgundischenEber unter ihre Hellebarden und Streitkolben hineinzu-treiben. Oestreich schloß sich zu diesem Zwecke an Frank-reich an. Während Ludwig mit seinem Gelde die Perso-nen in den Rathsstuben zu gewinnen und zu bestechensuchte, schmeichelte Oestreich dem StaatSintcreffc der Eid-genossenschaft, indem es ihr aufs Neue alle eingenomme-nen Lande bestätigte. Dieses war wohl mehr ein schein-barer als ein wirklicher Staatsvortheil, denn eine Bestä-tigung, die immer aufs Neue bestätigt werden muß, istim Grunde genommen keine. Die Bestätigung des Besitzesihrer Lande beruhte weniger auf den Pergamenten frem-der Mächte, als auf der Kraft ihres Schwertes. Manwollte sich für diesen Krieg verbindlich halten, weil ereine RcichSmahnung wäre, obschon man derlei Mahnun-gen selten oder niemals mehr gewohnt war, Folge zu lei-sten und von dem deutschen Heere noch gar Niemand ge-gen Burgund in Bewegung war. So wie dieser Kriegder erste ist, dem das Nationalintcreffe als Grundlagefehlte, so war er auch der erste, welcher ohne die gewohnte