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1 (1834) Die Zeiten der dreizehn Orte / von Joseph Andres
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Aber am heil. Dreikönig Tag stürzt Lanbammann Re--ing in des Schultheißen Zimmer und sagt: die Züricherhaben Rhcinau angegriffen und ausgeplündert/ sie ziehendurchs ganze Thurgau weg und wollen es in ihre Gewaltbringen." Der Schultheiß will sich sogleich auss Pferdwerfen. Da eilt ein französischer Gesandtschaftsbedienterauf ihn zu und bittet ihn zu seinem Herren zu kommen.Der Schultheiß schlügt es ab und will sogleich fort. EinEdelmann kommt und macht die nämliche Einladung.Dulliker steigt ab und geht zum Gesandten. «Wo wollenSie hin?" fragt ihn /» Lü/äe. Nach Luzern. BleibenSie/ Sie sind Geisel/ es gilt um Ihren Kopf.8hro Ex-cellenz/ antwortete der Schultheiß/ hat mir versprochen/man werde keine Thätlichkeiten anfangen/ unter ihremWort haben wir geruht. Wenn Sie der Krone Frankreichund einer Eidgenossenschaft wahrhaft dienen wollen/ müs-sen Sie Blutvergießen verhindern; und wenn Sie beideParthcien im Felde sehen/ so brauchen Sie das AnsehenIhres Herrn/ erklären Sie sich wider jene Parthei/ dieden Frieden nicht halten will. Wir werden sehe»/ wirwerden sehen"/ war die Antwort.*) Der Schultheiß em-pfahl sich und befreite sich selbst aus seiner Bürgschaft/ undzwar ohne Furcht deßhalb seinen Kopf zu verlieren. ESlag nicht im Interesse der Gesandtschaft/ die Ansicht desSchultheißen anzunehmen/ denn obwohl ein einheimischerKrieg demselben zuwider/ weil die nöthigen Volksauf-brüche und die beabsichtigte Bundeserneucrung dadurchverhindert wurden/ so forderte dasselbe nicht weniger/ -man die kleinern nicht gegen die großen Kantone inSchutz nehme/ ohne diese zu nöthigen fremde Mächte eben-falls um Hülfe anzurufen/ wodurch die allgemeinen poli-tischen Verhältnisse noch verwickelter werden mußten. Daferner bei dcr^ großen Gereiztheit der Paktheien jede

*) Dulliker Tagbuch.