Krankheiten der Wäscherinnen. 275
den Beinen. Bekanntlich müssen sie bey ihrer Ar-beit immer und zwar mit vorgebogenem Oberleibestehen. —
Halle versichert, dafs die Wäscherinnen, diein der Nähe des .Gobelinflusses *) wohnen,durch die Ausdünstung des stehendenWassers, die sie beständig einathmen, öftersWechselfieber und brandartige Uebel des Schlun-des bekommen. — Man hat Fälle, dafs das Was-ser, dessen sich die Wäscherinnen bedienten, kei-nen gehörigen Abflufs hat, so dais es dann in denStrafsen stehen bleibt und sich in Pfützen sam-melt, wodurch sich sehr ungesunde Dünste ent-wickeln. In Boulogne bey Paris hat man dieseBeobachtung häufig gemacht. Die Wäscherin-nen, deren es dort eine grofse Menge giebt, be-wohnen ein eignes Viertel, wo solch einabscheulicher Gestank herrscht, dafs sel-ten ein Bürger da wohnen mag. —
Cadet-Gassicourt macht die Bemerkung,dafs die Wäscherinnen die Freuden der Liebe, denTanz, das Schauspiel und die öffentlichen Vergnü-gungen lieben.
, Die Medizin, Welche den Wäscherinnen umder Reinlichkeit Willen so viel Dank schuldig ist,mnfs billiger Weise Mittel aufsuchen, um sie vorden Uebeln zu schützen, die ihr Gewerbe mit sichbringt. RamazZini räth ihnen, immer auf trocke-ne Kleider zu sehen, die nassen sogleich nach derArbeit abzulegen, sich am Leibe zu lrottiren, beyrnDunste der heifsen Lauge das Gesicht abzuwendenund ihre Hände oft mit Rosensalbe oder Butter ein-zuschmieren. Haben die Wäscherinnen mit derschmuzigen Wäsche von Kranken zu thun , somüssen sie solche zuvor an die freye Luft bringenund davon gehörig durchziehen lassen, oder sie
*) So heifst ei n kl ein er Flu fs und an ihn ein Haus,in Paris in der Vorstadt St, Marcea|i, rach dem berühmtenFärber Gilles Gobelin benannt, der das Geheimnifs, dasschöne Scharlach zu färben, unter der Regierung Franz 1.erfand, S.