Buch 
Die Krankheiten der Künstler und Handwerker und die Mittel sich vor denselben zu schützen : ein belehrendes und unterhaltendes Handbuch für Sanitäts- und Polizeybeamte, praktische Aerzte, Fabrikbesitzer, Professionisten und Gebildete aus allen Ständen / nach dem Italienischen des Bernh. Ramazzini ; neubearbeitet von Ph. Patissier ; aus dem Französischen übersetzt, mit Vorrede und Zusätzen von Dr. Julius Heinrich Gottlieb Schlegel
Entstehung
Seite
427
JPEG-Download
 

Krankh. d. Schriftstell., Gelehrt, u. Künstler. 4£7

sagt Tissot, heifsL im Koth der Nacht le-ben. “ — ■ ‘

Die Nachlässigkeit, welche so viele Gelehrtein Bezug auf die Reinheit der Luft sich zu Schul-den kommen lassen, erstreckt sich zuweilen aufihre ganze Person. Man hat nicht selten Beyspiele

f ehabt, dafs Ekel und mehrere Krankheiten dieolge dieser Unreinlichkeit waren. —

Das Verzichtleisten auf'alle Gesell-'schaft, welches man bey vielen Gelehrten findet,geschieht anfangs freywillig und-, wird bald, zurNeigung; diese. Emsamkoit aber hat offenbare Nach-theile; sie erz'eugt Mattigkeit und jene Mi-santhropie, jene mifsmutliige Laune, die

*) Balm© a* a* O* rügt die, einen Zug im Nationalcharak-ter der Franzosen, seiner Landsleute, ausmachende Unfläte-rei, die sich hauptsächlich in Seminarien auf dasauffallendste zu zeigen pflege* Oft mufste er als Arzt vonSeminaristen unter der Thür ..Stehen bleiben, bis, durch Luft-zug die verpestete Luft ihrer Zellen beseitigt war*.Das alte, wurmstichige, durohräucherle, durchschwitz-te, und sonst noch auf manche Art verderbte Oerathe indie-seu Zellen ist. keine der geringsten Ursachen der grofsenUngesundheit dieser Art von Blockhäuschen* DieBewohner derselben tragen freilich auch vieles bey, die Luftnoch mephitischer zu machen. Man hat sich also nicht zu wun-dern, wenn den-eine solcher Seminaristen mit B rustbeschwer-d e n, der andere mit halbseitigem Kopf weh, der drittemit Nasenbluten, der vierte durch Hinabschlucken seinesiuficirten Speichels mit Ekel, Indigestion, Verstopfungund andern Leiden vom Gefolge der Hypochondrie heim-gesucht wird, wo auch die zweckmnfsigste medicinische Be-handlung selten Erleichterung, noch seltner Genesung verschaf-fen kann*

Um dieLuft in den Zellen derSeminaristen zuverbessern, und dadurch den Hauptgrund zu einer ho-hem. S.alubritat ihrer Wohnungen zu legen, sollteoben au jeder Zollthüre eiu Rahmen mit einem eisernen Draht-gitter angebracht werden, welcher, gleich einem Fensterrah-men, wenn die Thüre geschlossen ist, geölFnet und geschlossenwerden kann* Bios bey Nacht und im Winter mufste dieser Rah-men zugemacht, seyn : zu andern Zeiten, besonders in Abwesen-heit des Bewohners der Zelle, offen stehn* Die Luftwäre nun minder einge schlossen, und man hattenoch den Yortheil, von Zeit zu Zeitbeym Visiti-ren linhemerkt zu beobachten, ob der Seminaristreinlich oder ein Anhänger von Diogenes demCyniker sey. S*