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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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33
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Kenntniß außerordentlicher Fülle aufsteigen kann. Jeder Ver-fasser, der den Praktikern nicht alles sagt, was sie nicht wissen,scheint ihnen unbrauchbar, und darum glauben sie, alle seyenunbrauchbar, weil es ihnen Einer scheint. Nur die Aerzte,' welche mit dem äußersten Scharfsinn die Arzeneykunst stu-' diren, sind fähig, die großen Geister unter den Aerzten zu^ bewundern.

! Sie verschmähen auch den mündlichen und schriftlichen! Umgang mit gelehrten Aerzten. Auf ihre Zeitgenossen sehen> sie mit einer neidischen Verachtung herab, und verhöhnen ih-! ren Unterricht noch mehr als den Unterricht der Verstorbenen,i weil sie furchten, man möchte aus ihrem Umgang mit einhei-mischen und fremden Aerzten schließen, «S gebe in der Welterfahrnere Leute als sie. Sie bilden sich ein, ihre eigenedumme Erfahrung werde sie alles lehren, was zu der Erhal-tung der Gesundheit und der Heilung der Krankheiten nö-thig ist; so wie sich ein Thor einbildet, sein Geld gebe ihm' Verstand.

. Aus diesen und andern Gründen stellen die Praktiker und! ihre Anhänger ihre Verachtung für die Bücher unerröthet anden Tag. Ein verdienstvoller junger Wundarzt setzte unlängstden Vorurtheilen eines alten Praktikers eine Wahrheit aus denl Abhandlungen der Pariser-Akademie der Wundärzte entgegen; derPraktiker zuckte die Achseln, und gab mit einer höchst verächtlichenGesichtsverziehung zur Antwort: Ach, das ist ja ein Buch ! Einanderer sah irgendwo des Meads medicinische Warnungen, diebekanntlich der Inbegriff einer ungemein zahlreichen Praxisvon sechzig Jähren sind. Wer liest dies Buch? frug er; mannannte ihm einen Arzt. Hinweg mit diesem Zeug, sprach er,gute Recepte taugen mehr als alle Bücher! Das lächerlichstehierbey ist, daß die meisten medicinischen und chirurgischenHandwerker sich alle ersinnliche Mühe geben, die Gelehrsamkeitzu verschreyen, indeß sie in allen ihren Conversationen so viellateinische und griechische Wörter daher stammeln, als sie im-mer auswendig zu lernen vermögen, und niemals wissen, wiesie eine Sache barbarisch genug nennen sollen, damit sie rechtZimmermanns Erfahrungen. 3