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Drittes Capitel.
Von den Vortheilen der Gelehrsamkeit.
(§in Mensch, der gar nichts liest, sieht in der Welt nichts,als sich selbst. Der Mangel der Begriffe von allem, was außerihm ist, macht die in seinem Kopfe verschränkten Begriffeunendlich wichtig und groß, gleichwie der Mangel der äußernLuft in einer Luftpumpe eine Katze bis zum Zerplatzen großmacht.
Wir werden durch die Gelehrsamkeit diesem kleinen Zirkeleintrissen. Der allzu große Begriff von dem Boden, der unsträgt, verliert sich, wenn wir die Dinge dieser Erde imGanzen übersehen. Jede eingesogene Meinung wird von allenSeiten geprüft, jede vergötterte Maxime wird gemessen undgewogen. Anstatt alles anzunehmen, was ein blinder Glaubegut heißt, verwerfen wir in menschlichen Dingen alles, wasuns eine durch die Wissenschaften erleuchtete Vernunft unglaub- jlich macht.
Ein Mensch, der nichts gelesen hat, sperrt seine gedan-kenlosen Augen mit der lächerlichsten Entzückung auf, wenner in seinem kleinen Gesichtskreise etwas Ungewohntes entdeckt.Darum ist der Pöbel abergläubisch, weil er, durch alles wasihm neu ist, überrascht, nichts in seinem rechten Gesichtspunctezu betrachten, und nichts aus seinen wahren Gründen zu er-klären weiß. Ein ausgebreiteter Verstand hebt das Erstem-inen über etwas Neues und Ungewohntes. !
Wir kommen durch das Lesen in die Gesellschaft der auf-geklärtesten Leute, und werden durch dieselben mit der Weis-heit aller Völker bekannt. Die Denkungsart dieser Weisenwird uns eigen, weil man durch den öftern Umgang mitPersonen, die einander ähnlich sind, auch ihnen ähnlich wird.Ein leerer Schwätzer ist unS darum ekelhaft; anstatt untergeschmacklosen Köpfen unsere Seelenkräfte zu töden, suchenwir sie unter den größten Geistern zu entwickeln, zu stärkenund zu erhöhen. Bacon sagt, das Lesen ist der Umgang mit