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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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müsse wissen, was man vor ihm gewußt hat, wenn er nichtsich selbst, und andere betriegen wolle. Obschon Hippokratester Stifter der Arzeneykunst nicht gewesen ist, so ward er»och durch die Ausübung dieser Grundsätze und die Kraft deskichteS seiner Zeiten, ihr Vater, indem er die Philosophie derklrzeneykunst, und die Arzeneykunst der Philosophie nützlich/gemacht, und durch seine Thaten seinen AuSspruch erwiesen,'daß ein philosophischer Arzt den Göttern ähnlich sey. Mitdiesen lichtvollen Grundsätzen und der angebornen Größe seinesGeistes brachte eS Hippokrates so weit, daß er der erste wahreund große Arzt ward, weil er mit der Erfahrung die Gelehr-samkeit und mit dieser eine behutsame, abgebrochene und auSdem Mark der Dinge stammende Weisheit verband.

Durch die Gelehrsamkeit ward also die Arzeneykunst unterdem Griechischen Himmel gebildet; und darum behielt dieseKunst auch ihre erste rohe Gestalt, wo die Schriften der Grie-chen nicht hindrängen. Von ihnen haben sie die Römer, sowie alle Wissenschaften und Künste, erlernt, nachdem von Er-bauung der Stadt bis zu der Ankunft der Griechen, die Arze-neykunst in Rom ein pythagoräisches oder praetisches Geschwätzgewesen. In China ist wegen der bekannten Verachtung fürdie Erfindungen aller andern Völker, die Arzeneyknnst nochin unsern Zeiten sehr seicht, obschon sieben und dreyßig Jahrevor Christi Geburt, der Kaiser Chi Hoang Ti, bey Lebcnsstrafealle Tücher zu verbrennen befahl, ausgenommen die Tücherder Taukünstler und der Aerzte. Bey den sonst nicht un-gesitteten Malabaren, besteht diese ganze Kunst in der Kennt-niß einiger Kräuter, und der Fähigkeit, diese Kräuter nach ge-wissen ererbten Vorschriften zu gebrauchen, die man auswendiglernt. Auf dem ganzen durch die wahre Gelehrsamkeit noch»»erleuchteten Erdboden ist die Arzeneykunst in ihrer Kindheit.

Ohne die Schriften der Aerzte, die jenseits ihrem Grabeunter der dankbaren Nachkommenschaft leben, hätte man ent-weder niemals eine Arzeneykunst gehabt, oder jeder schlechteKopf müßte ein Halbgott, jeder Praktiker ein Erfinder gewe-sen seyn. Nun ist die Erfahrung des ältesten und beschäftigt-