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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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, und übrigens, in Absicht auf die Theorie der Arzeneykunstund die Grundsätze ihrer Ausübung, die Griechen wiederholt.

In Europa verwandten die Aerzte eine lange Reihe von Jahr-hunderten auf die schwatzhafte Auslegung dieser Spitzköpse.Man las und studirte zwar die Araber lange, ehe man dieGriechen zu kennen schien; endlich verfiel man auf Gale-uus im Anfange des dreyzehnten Jahrhunderts, und anstattdie in alle ihre Theile zu zerlegende Natur zu betrachten, zer-legte man in alle seine Theile den GalenuS. Um die Auf-^ nähme der Kunst unbekümmert, begnügte man sich, diesengroßen Geist zu bewundern. Die Einen erweiterten seine Schrif-s ten durch ihre Auslegungen, die Andern zogen sie in kleine^ Handbücher zusammen. Alle schienen entschlossen, lieber mit! dem Aristoteles und dem Galenus zu irren, als mit einem; Andern die Wahrheit zu finden; lieber wie schwache Rathshcr-! ren ganz der Meinung ihres Bürgermeisters zu folgen, als! selbst eine Meinung zu haben.

! Endlich kamen die Chemisten. AureoluS PhilippuS Theo-! phrastus ParacelsuS Bombast von Hoheuheim, ein Schweizeraus dem Canton Appenzell, ein großer Chemist, ein Wund-arzt und ein Sternnarr, erfrechte sich eine ganz neue Arze-neykunst auf die Ruinen der alten zu bauen. Er verbrannteöffentlich in Basel vor seinem Lehrstuhle die Werke des Gale-nus und des Avicenna. Er sagt in seinem ersten Buche vonder Pest: man finde bey den Alten nichts, daS uns wahr-! haft helfen könne, weil sie die Cabale und die Magik, undfolglich auch der Krankheiten Ursprung nicht verstanden hätten,s Er schämte sich nicht, in seinen Schriften zu rühmen,Galenus habe aus der Hölle an ihn geschrieben, und er selbsthabe in ihren Vorhafen mit dem Avicenna disputirt. SeineEinbildung war so sehr verwirrt, und sein Hirn so sehr zuden pöbelhaftesten Grübeleyen aufgelegt, daß er alle Hepenge-schichten, alle Thorheiten der Astrologie, der Punktirkunst,der Chiromantie und der Cabale annahm, und seine Lernjün-ger sogar versicherte: er frage auch den Teufel um Rath, wenns Gott nicht helfen wolle. Keine dumme und abgeschmackte Er-