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und dem Römer schwer war, sie zu machen. Winkelmannsagt: der Verstand der Alten liegt tief in ihren Werken,da man hingegen in unsern Zeiten, wie bey verarmten Krä-mern, alle seine Waare ausstellt. Darum sind nur Genieswie MoseS, wie Winkelmann und wie Sulzer fähig, alleMerkmale des Schönen überhaupt, von seinen untersten Stu-fen bis an das höchste Ideal zu bestimmen.
Der vollkommenste Beobachtungsgeist in den Künsten grenztan das Wunderbare. Raphael war anfänglich fast nur einmittelmäßiger Maler, er stiehlt sich in die Capelle des Siptusim Vatican, sieht auf einen Augenblick die Abbildung desewigen Vaters von Michael Angelo; er wird von der edlenIdee seines großen Nebenbuhlers so sehr gerührt, daß er sieganz begreift, und in einem Tage geschickt ist, seinen eigenenvorher nur mittelmäßigen Abbildungen des ewigen Vaters,eben den Charakter der Größe, Hoheit und Göttlichkeit zugeben.
Die gleichen Betrachtungen haben in Absicht auf den Beob-achtungsgeist in dem menschlichen Leben Platz. Ich bemerkeoft, daß ein Mensch, der unfähig ist, ein moralisches Gemälde,eine Zeichnung von Hogarth, in ihrem wahren Lichte zusehen,auch unfähig ist, einen Charakter oder eine Handlung indem menschlichen Leben in ihrem wahren Lichte zu sehen. Inbeyden Fällen mangelt ihm das Gefühl, welches die natür-liche Tüchtigkeit zum Sehen ausmacht.
Ohne dieses Gefühl sieht man in keinem Menschen etwas.Die Samen der erhabensten Talente zeigen sich schon in derKindheit, sie steigen nach und nach in ihre volle Blüthe,und endlich wachsen sie in die schönsten Früchte aus. In-deß gibt es Leute, die täglich mit Leuten umgehen, vonderen Talente» sie nicht den geringsten Argwohn haben, weilman sie selbst haben muß, wenn man sie sehen soll. Du Bossagt, es sey eine Anzeige, daß junge Leute Genie besitzen,wenn sie in den üblichen Geschäften der JünglingSjahre sehrzurückbleiben, da sie mit großen Schritten in der Kunstforteilen, zu welcher sie geboren sind. Mancher schöne Geist