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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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den sträflichen Mißgeburten des Aberglaubens und den aller-heiligsten Geheimnissen der Religion, zwischen Körper undGeist, Natur und Gott zu machen; Roger Bacon war dereinzige Weise in einer Welt von Thoren. Aber in unsernaufgeklärten Tagen sind die Gemüther der bessern Menschendurch die Ausbreitung der Wissenschaften, und die durchdie Philosophie immer mehr gesicherte Herrschaft der Vernunftvon Segnereyen, Bezauberungen und Entzauberungen gerei-nigt. Keine Hexenprocesse werden von den französischen Par-lamenten mehr angenommen; alle in den mittlern Zeiten inGroßbrittanien hierüber gemachten Gesetze sind abgeschafft; dieschweizerische Geschichte der vorigen Jahrhunderte enthält fürch-terliche Denkmale dieser nunmehr von unsern Regierungen ver-abscheuten, verbotenen, aber nicht verbannten Barbarey.Grose, der vor einigen Jahren in einer philosophischen Rei-sebeschrcibung durch Ostindien von der erbärmlichen Unwissen-heit der Maratten einen Begriff geben wollte, sagt mit einerArt von Erstaunen: sie glauben noch Hexen.

Andere Vorurtheile und Leidenschaften schwächen den Beob-achtungsgeist nicht weniger. Die Seele muß ruhig und stillseyn, sobald wir mit Nutzen beobachten sollen, weil die unend-lichen und oft allzu tief in den wenigen verborgen liegendenMerkwürdigkeiten der Natur uns sonst unvermeidlich entgin-gen. Die dem Arzte bey der Beobachtung der Krankheitenso sehr nöthige Ruhe wird wechselöweise durch die Vorurtheileund die Leidenschaften des Kranken und besonders der Umste-henden gehemmt.

Die Menge elender Urtheile über eine Krankheit, die im-mer sich selbst und immer den besten Aerzten aller Zeitenund aller Völker widersprechende Räthe hirnloser Köpfe, undbesonders der von allen Seiten herbeydringende Hagel vonRecepten machen den Arzt so sehr verlegen, und stürzen ihnzuletzt in eine solche Verwirrung, daß er entweder ganz ver-gißt, oder wenigstens ganz unfähig wird, die Umstände ei-ner Krankheit genau zu beobachten und gelassen zu überlegen.

Am wenigsten kann ein Arzt unter Menschen beobachten.